Zwölf Tonnen Bronze gegen das Vergessen : Neues Mahnmal erinnert an in der NS-Zeit verfolgte Zeugen Jehovas
Im Berliner Tiergarten erinnert ein Baumstamm aus Bronze an die verfolgten Zeugen Jehovas. Mit dem Mahnmal wird auch ihr Widerstand gegen die NS-Diktatur gewürdigt.
Im Berliner Tiergarten ist am Mittwoch das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas an die Öffentlichkeit übergeben worden. Das Parlament hatte die Errichtung im Juni 2023 einstimmig beschlossen.
Ein einzelner Baumstamm aus Bronze, zwölf Tonnen schwer, fast fünf Meter hoch: Mitten im Berliner Tiergarten erinnert seit diesem Monat dieses neue Mahnmal an eine lange vergessene Opfergruppe des Nationalsozialismus: die verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas.
Der Stamm glänzt in der Sommersonne, die Struktur der Oberfläche wirkt zerklüftet, wie von Verletzungen und Narben gezeichnet. Mehr als acht Jahrzehnte nach Ende der NS-Diktatur drückt die Bronze-Stele für den Künstler, Bildhauer Matthias Leeck, die unbeugsame Haltung der Opfergruppe und ihren Widerstand gegen die NS-Diktatur aus.
Über 15.500 Angehörige der christlichen Glaubensgemeinschaft wurden ab 1933 verfolgt und inhaftiert, 4.500 in Konzentrationslagern mit dem sogenannten „lila Winkel“ stigmatisiert. Ihr Leben ließen mindestens 1.800 Zeugen Jehovas. Der Grund: Mitglieder der Glaubensgemeinschaft verweigerten unter anderem Wehrdienst und den Hitlergruß, traten nicht in NS-Organisationen ein und lehnten den Antisemitismus ab.
Bundestag beschloss das Mahnmal im Juni 2023 einstimmig
Das neue Mahnmal findet sich unweit des Denkmals für die ermordeten Juden Europas, am Goldfischteich im Tiergarten, der grünen Lunge von Berlin-Mitte. Genau dort hatte die Gestapo im August 1936 führende Angehörige der Religionsgemeinschaft verhaftet. Der Ort hatte als geheimer Treffpunkt der Zeugen Jehovas gedient.
„Es ist eine Form, geboren aus Licht, Schatten und Stille.“
Das Mahnmal geht zurück auf einen einstimmigen Beschluss des Bundestages vom 22. Juni 2023. Drei Jahre später wurde nun am Mittwochvormittag der Gedenkort an die Öffentlichkeit übergeben. „Es ist eine Form, geboren aus Licht, Schatten und Stille“, sagte Künstler Matthias Leeck bei dem Festakt, bei dem auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) sprachen.
Klöckner erinnerte an die einstimmige Entscheidung des Parlaments, aber auch an den Weg dahin, der lange gedauert habe. „Dieses Denkmal gilt den Menschen, die bitteres Unrecht erlitten und dennoch immer wieder Menschlichkeit zeigten.“ Es sei ihrem Leid, ihrem Mut und ihrer Gewissensfestigkeit gewidmet, sagte Klöckner. Weimer sprach von einem “Mahnmal für Empathie, einem Mahnmal für Toleranz.”
Das Vorhaben wurde finanziert aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Das Denkmal ist das fünfte große Denkmal für eine NS-Opfergruppe, das von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas verantwortet wird – nach den Denkmälern für die ermordeten Juden, die verfolgten Homosexuellen, die ermordeten Sinti und Roma sowie die Opfer der "Euthanasie"-Morde. Für das neue Denkmal im Tiergarten hatte sich auch die Arnold-Liebster-Stiftung eingesetzt.
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