Parlamentarisches Profil : Frischgebackene Europameisterin: Tina Winklmann
Tina Winklmann kickt beim FC Bundestag. Auch im Gespräch über Sportpolitik spielt die Grüne aus der bayerischen Oberpfalz ständig Pässe zu.
Der Bundestag steckt voller Geheimnisse. Zum Beispiel sieht eines seiner Büros aus wie ein Sport-Fanshop, an den Wänden hängen Schals verschiedener Fußballvereine, während auf dem Regal daneben kaum ein freier Platz ist: voll mit Maskottchen, Badges und anderen Devotionalien. Über 20 Bälle hier und da, "die sind vor mir nicht sicher", sagt Tina Winklmann. Sie hält in ihrer Hand einen Kaffeebecher des FC Bayern München. Natürlich. "So klar war das nicht", sagt sie. "Nürnberg wäre näher dran. Aber ich bin familiär vorgeprägt."
Tina Winklmann ist seit Oktober 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages und sitzt für die Grünen-Fraktion im Sportausschuss.
Winklmann, 46, Abgeordnete der Grünen aus der Oberpfalz, braucht man nicht die Frage zu stellen, welchem Fachgebiet sie im Bundestag nachgeht. "Sport begleitete mich seit meiner Kindheit, ich wuchs in Vereinen auf", sagt sie. Sie spielte Fußball und engagierte sich in der Leichtathletik, ist ausgebildete Rettungsschwimmerin. Auf der Libero-Position ausgebildet, kickt sie natürlich auch beim FC Bundestag. "Wir sind vergangenes Wochenende Europameister geworden", sagt sie mit Blick auf das Turnier der Parlamentarier.
Das Sportfördergesetz findet sie zu unkonkret
Am Ende habe sie auch der schweizerischen Elf ausgeholfen, die sei mit einem Schrumpfkader angereist, und dann hätten sich noch Teilnehmer verletzt. "Wer miteinander schwitzt, redet anders miteinander", fasst sie die Wechselwirkung zwischen Pille und Parlament zusammen.
Das Büro, ihre direkte Art, die Lust am Frotzeln, die sofortige Augenhöhe: Winklmann wirkt wie der Idealtyp einer Sportpolitikerin. Sie spielt einem ständig Pässe zu.
Und so kritisiert sie das von der Bundesregierung geplante Sportfördergesetz hart, aber fair. "Wir brauchen ein Gesetz", sagt Winklmann, "denn die Förderung ist bisher nicht geregelt, das ist eigentlich eine freiwillige Vereinbarung". Ihr fehle aber die Transparenz. Und auch die avisierte Sportagentur begrüßt sie, "aber sie soll steuern und nicht nur Geld verteilen, wie es im Entwurf steht".
Winklmanns Familie ist von starken Frauen geprägt
Sie bemängelt eine fehlende Mitsprache der Athletinnen und Athleten, "dabei sind sie es, die bei uns Leidenschaft entfachen". Und dass die Mitgliedschaft im Zentrum Safe Sport nun freiwillig sein solle, regt sie auf. "Wir brauchen im Sport sichere Räume!" Ihr sei das geplante Gesetz zu unkonkret, zu hastig gestrickt, "da will jemand zu schnell liefern". 28 Millionen Menschen sind in Deutschland in einem Sportverein. “Sportpolitik ist Gesellschaftspolitik. Wir erreichen alle.”
„Sport ist Emotion. Politik ist Emotion. Dann trifft man aufeinander und schwitzt!“
Mit 16 trat Winklmann den Grünen bei. Ein Jahr zuvor wurde sie Mitglied in der Gewerkschaft, mit Beginn ihrer Ausbildung zur Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Aus einer politischen Familie komme sie, "natürlich traditionellerweise alle für die CSU", aber da gab es zwei Dinge. Zum einen sei ihre Familie von starken Frauen geprägt ("meine Oma verdonnerte meine Mama und meine Tante zum Fußballspielen, sie trägt die DFB-Ehrennadel in Gold"), und zum anderen habe ihr Vater stets ein Händchen dafür gehabt, sie nach ihrer Meinung zu fragen, mit ihr zu diskutieren.
Zu den Grünen fand sie, weil ihr der Charakter als Bündnispartei gefiel, "man war weniger festgenagelt". Außerdem engagiere diese sich am konsequentesten für Geschlechtergerechtigkeit.
Vor dem Mandat war sie mehr als 20 Jahre im Dreischichtbetrieb bei Siemens tätig
Für Winklmann bedeutete der Parteieintritt den Beginn von viel Ehrenamt. Kreisvorstand, Bezirksvorsitz, Parteirat der bayerischen Grünen - "irgendwann erwischte ich mich beim stillen Jammern, dass in der Politik so wenige Arbeiter sind", sagt sie und beugt sich vor. Bis zu ihrem Einzug in den Bundestag arbeitete sie mehr als 20 Jahre im Dreischichtbetrieb bei Siemens, "Feilen, Fräsen und Erodieren, das macht mir einen großen Spaß". Doch genau dies, so ihre Erkenntnis, war auch mitunter ein Grund für den Mangel an Arbeitern im Bundestag: “Arbeiter haben zu schaffen. Da bleibt kaum Zeit für Partei oder gar Wahlkampf.”
Auch sei Arbeitern, die sich so etwas überlegen, klar: "Ich habe keinen doppelten Boden." Doch sie ging den Schritt nach vorn. Und bringt es auf den Punkt: “Sport ist Emotion. Politik ist Emotion. Dann trifft man aufeinander und schwitzt!”