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Gastkommentare : Mehr Geld für mehr Medaillen? Ein Pro und Contra

Erobern deutsche Spitzenathleten durch eine bessere finanzielle Förderung häufiger Medaillenränge? Markus Decker und Andreas Rüttenauer im Pro und Contra.

21.05.2026
True 2026-05-21T14:33:21.7200Z
3 Min

Pro

Exzellenz im Spitzensport braucht Förderung

Foto: Bnew/Mike Froehling
Markus Decker
ist Hauptstadtkorrespondent des Redaktionsnetzwerkes Deutschland.
Foto: Bnew/Mike Froehling

"Geld schießt keine Tore", heißt es im Fußball. Da ist was dran. Denn Erfolg zumindest in Mannschaftssportarten hängt neben Talent und Übung auch von immateriellen Faktoren ab. Ohne Teamgeist geht nichts. Der wiederum lässt sich nicht kaufen. Andererseits beschreibt der Satz "Geld schießt keine Tore" nur die Ausnahme von der Regel. Da, wo die materiellen Rahmenbedingungen stimmen, da stellen sich früher oder später Titel und Pokale ein. Die Bundesliga-Tabelle legt dafür immer wieder beredtes Zeugnis ab. Die Vereine mit den dicken Konten stehen oben, die Mittellosen unten. Das ist fast ein Naturgesetz.

Natürlich muss es in allen Sportarten eine gewisse Breite geben, aus der sich eine Spitze rekrutieren kann. Doch schon diese Breite ist ohne Förderung nicht denkbar. Und in der Spitze geht ohne Förderung erst rechts nichts. Hier nämlich herrschen - national wie international - verschärfte Wettbewerbsbedingungen. Exzellenz gibt es nicht ohne Geld, jedenfalls nicht auf Dauer.

So hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erst kürzlich auf all die olympischen Medaillen hingewiesen, die Deutschland ohne die Bundeswehr und deren Soldatinnen und Soldaten nicht gewinnen würde. Sie basieren letztlich auf finanzieller Förderung.

Es stimmt: Sport ist eine der schönsten Nebensachen der Welt, und zwar ganz unabhängig von den erbrachten Leistungen. Bewegung gibt Gesundheit, Lebensfreude, oft auch Zusammenhalt. Doch all die vielen Freizeitsportler würden nicht zu Werke gehen, wenn sie nicht insgeheim auch an die Spitzensportler dächten - die allein deshalb Spitzensportler sein können, weil sie von materiellen Zwängen mehr oder minder befreit sind. Die Spitze animiert die Breite. Und das ist auch gut so. 

Contra

Der Spaß am Sport hat in dieser Leistungslogik keinen Platz

Foto: Privat
Andreas Rüttenauer
ist Sportredakteur der "tageszeitung" in Berlin.
Foto: Privat

Platz fünf im Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina in diesem Februar. 2024 bei den Sommerspielen von Paris kam das deutsche Team gar nur auf den zehnten Platz. Vom Absturz der Sportnation Deutschland war allenthalben die Rede. Viele Kommentare lasen sich, als müsse sich die Wirtschaftsgroßmacht Deutschland schämen für eine allzu bescheidene Medaillenausbeute.

Mehr Medaillen sollen also her. Und der Bund ist bereit, sich das etwas kosten zu lassen. Aber warum nur? Klar, man möchte zu den Großen der Welt zählen. Es geht um Nationalmarketing. "Die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sowie die gesamtstaatliche Repräsentation im In- und Ausland" soll gestärkt werden, wie es in Paragraph 1 des Gesetzentwurfs der Bundesregierung für das zu verabschiedende Sportfördergesetz heißt. So unverblümt wird deutsche Großmannssucht selten ausgedrückt.

Zum Ruhm der Bundesrepublik soll also Hochleistungssport betrieben werden. Ob man mit diesem Leitparagrafen die Jugend des Landes wirklich zu mehr Leistung motivieren kann? Und wenn es dann doch nicht klappt mit den Medaillen, gibt es noch einen Anpfiff aus dem Mund des Bundeskanzlers. Der Spaß am Sport, die Lust auf Erfolge, all die persönlichen Gründe, die Menschen zum Sporttreiben bewegen, haben in dieser Leistungslogik keinen Platz. Was dabei herauskommt, ist eher ein Sportforderungskonzept als eines der Förderung.

Als Vorbild taugt der körperverbrauchende Hochleistungssport für die Freizeitsportlerinnen ohnehin nicht. Die orientieren sich zum Großteil schon lange nicht mehr an den Spitzenathletinnen. Die meisten Menschen, die in diesem Land täglich ihre Laufrunden drehen, werden nicht wissen, wer gerade Marathonweltmeisterin ist. Auch sie sind es, die Deutschland zur Sportnation machen - ganz ohne Leistungssportmillionen. 

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