Vorsorgesparen mit neuen Möglichkeiten : Der Aktienmuffel hat ausgedient
Das Riestern ist ab 2027 Geschichte. Dann werden neue Anlageformen auch in Aktien mit staatlicher Förderung möglich. Kritik gibt es an den hohen Gebühren.
Die Zahl der Aktionäre in Deutschland hat Anfang 2026 einen Rekordstand erreicht: Über 14,1 Millionen Menschen investieren in Aktien, Aktienfonds oder Exchange Traded Funds (ETF). Damit hat jeder fünfte Erwachsene in Aktien oder Fonds mit Aktien investiert, womit frühere Feststellungen, die Bundesbürger seien Aktienmuffel, kaum noch haltbar sind und sich vom nächsten Jahr an möglicherweise ganz erledigt haben dürften.
Denn die Rekordzahlen könnten ab 2027 noch überboten werden, wenn die von der Bundesregierung geplante Reform der privaten Altersvorsorge in Kraft treten und damit den Weg zum Aktiensparen mit staatlichen Prämien öffnen soll. Auch der Bundeskanzler ermuntert zum Vorsorgesparen: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen früh genug beginnen, für ihr Alter auch zu sparen", sagt Friedrich Merz (CDU). "Und dann sage bitte niemand: Das könnten wir ja nicht. Natürlich können wir das."
Für Vorsorgesparer soll der Weg an die Börse attraktiver werden. Mit dem Gesetzentwurf der Bundesregierung will sie die private Altersvorsorge revitalisieren.
Möglich werden soll dies mit dem von der Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge, zu dem der Finanzausschuss des Bundestages am vergangenen Montag eine öffentliche Anhörung abhielt. Die Bundesregierung will mit dem Gesetz, das das bisherige Riester-Sparen ersetzen soll, "die private Altersvorsorge revitalisieren, um ein effizientes Angebot zur Lebensstandardsicherung nach Renteneintritt für breite Bevölkerungsgruppen zu schaffen".
Die Kreditwirtschaft würde gerne auf den Kostendeckel verzichten
Dazu soll unter anderem ein neues "renditeorientiertes Altersvorsorgedepot" ohne Garantien dienen. Angeboten werden sollen aber auch Garantieprodukte, bei denen Sparer zwischen 80 oder 100 Prozent Kapitalgarantie bei der Auszahlung wählen können. Die Einzahlungen werden bis zu einer bestimmten Höhe vom Staat bezuschusst.
In der Anhörung spielten besonders die Gebühren, die den Vorsorgesparern von den Anbietern berechnet werden, eine Rolle. Die Deutsche Kreditwirtschaft warb dafür, den Kostendeckel von 1,5 Prozent für Standardprodukte ganz aufzuheben. Da die Regierung selbst in ihrem Entwurf einen Rückgang der Kosten angesichts des Wettbewerbs erwarte, sei der Deckel nicht notwendig.
Wie auch der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) regte die Kreditwirtschaft an, den Zugang zur privaten Altersvorsorge auch für Bürger zu öffnen, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind (wie zum Beispiel Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende), damit diese auch die Förderung erhalten könnten. Diese Anregung wurde in der Sitzung des Finanzausschusses von der CDU/CSU aufgegriffen und könnte zu einer Änderung des Entwurfs führen.
Verbraucherzentrale Bundesverband appelliert an schwedisches Vorbild
Grundsätzliche Kritik kam vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Statt viele unterschiedliche Standard-Depots zuzulassen, sollte ein öffentlich-rechtliches Standardprodukt nach schwedischem Vorbild geschaffen werden, forderte die Organisation, die starke Kritik an den hohen Kosten der angebotenen Produkte übte. Die Verbraucherzentrale rechnete vor, welchen Einfluss die Kosten auf die Rendite über lange Laufzeiten haben.
So würde ein öffentlich-rechtliches Standardprodukt mit einer Aktienquote von 90 Prozent und Kosten von 0,2 Prozent bei einer monatlichen Einzahlung von 130 Euro nach 40 Jahren einen Vermögenszuwachs von 179.823 Euro aufweisen. Ein Standard-Depot mit Kosten von 1,5 Prozent (Regierungsentwurf) würde nach 40 Jahren bei gleich hoher Einzahlung nur einen Zuwachs von 79.807 Euro aufweisen. Auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärte, ein Kostensatz von 1,5 Prozent führe dazu, dass lediglich 53 Prozent der Kapitalerträge bei den Vorsorgesparern ankämen.
Professorin Ulrike Malmendier (Haas School of Business der University of California, Berkeley) nannte den Kostendeckel von 1,5 Prozent absolut inakzeptabel und im internationalen Vergleich "geradezu peinlich". Die SPD-Fraktion ließ inzwischen Bereitschaft zu Änderungen beim Kostendeckel erkennen.
Das Riester-Sparen soll durch ein Altersvorsorgedepot abgelöst werden. So will die Bundesregierung die private Vorsorge stärken.
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