Nach Riester kommt das Vorsorgedepot : Die große Spar-Freiheit
Das Riester-Sparen soll durch ein Altersvorsorgedepot abgelöst werden. So will die Bundesregierung die private Vorsorge stärken.
Riestern war gestern, Sparen in Wertpapieren ist bald angesagt. Was als Gesetzentwurf mit dem sperrig klingenden Titel "zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge" (Altersvorsorgereformgesetz) daherkommt, soll ein großer Wurf werden, damit Millionen von Bundesbürgern ihre Altersbezüge verbessern und die Rentenlücke wenigstens zum Teil mit privater Vorsorge werden schließen können.
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zeigte sich bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfs am Donnerstag begeistert: "Wir machen es für alle leichter und sorgen dafür, dass sich auch kleine Sparbeträge mehr lohnen." Zum Riester-Sparen äußerte sich der Finanzminister klar und deutlich. "Überall höre ich, die Riester-Rente war zu kompliziert, zu teuer, zu wenig flexibel." Jetzt werde es ein Altersvorsorgedepot geben mit klar gedeckelten Kosten.
Die Deutschen sollen ihre Altersvorsorge stärker über den Kapitalmarkt organisieren. Dafür erhalten sie eine höhere Förderung als bisher.
Für die Stärkung der privaten Vorsorge sollte eigentlich das nach dem früheren Arbeitsminister Walter Riester benannte Sparsystem sorgen. 2002 eingeführt, wurde die Riester-Rente zum Kassenschlager. Der Höhepunkt wurde 2017 erreicht, als es bundesweit rund 16,6 Millionen Verträge gab. Doch mit dem Anstieg der Zahlen wuchs auch die Kritik an hohen Kosten, niedrigen Renditen und an einer ausufernden Bürokratie für die Beantragung von Zulagen.
Ein Viertel der Riester-Verträge wird nicht mehr bespart
2025 waren es noch 15 Millionen Verträge, und rund ein Viertel davon dürfte nicht mehr bespart werden. Zwar gibt es staatliche Zulagen, doch die Erträge werden durch hohe Verwaltungskosten der Anbieter aufgezehrt. Eine gesetzliche Beitragsgarantie (zum Rentenbeginn müssen 100 Prozent der eingezahlten Beiträge vorhanden sein) zwang die Anbieter zu extrem konservativen Anlagen mit entsprechend wenig Rendite. Folge: Riestern wurde zum Ladenhüter.
Jetzt soll alles besser werden. Mit dem vom Bundestag an die Ausschüsse überwiesenen Gesetzentwurf sollen Sparer zwar auch weiterhin auf Angebote der Lebensversicherungsbranche setzen können. Aber hier beginnt schon die Flexibilität: Das bisher bei 100 Prozent liegende Garantieniveau kann auf zum Beispiel 80 Prozent reduziert werden. Die große Freiheit (allerdings auch das Risiko) beginnt mit dem neuen Altersvorsorgedepot. Hier können die Sparer in ein Spektrum von Finanzinstrumenten wie Exchange Traded Funds (ETF) investieren, also passiv verwaltete Investmentfonds, die im Vergleich zu aktiv gemanagten Finanzanlagen meist mit niedrigen Verwaltungsgebühren punkten.
AfD skeptisch, Linke dagegen, Grüne mit eigenem Antrag
Die Wertpapiere, in die investiert werden soll, benötigen eine Zertifizierung von der Finanzaufsicht. Bei Einzahlungen bis 1.200 Euro pro Jahr gibt es eine Grundzulage vom Staat in Höhe von 30 Prozent, auf weitere 600 Euro 20 Prozent. Junge Menschen erhalten einen Bonus, für Eltern sind die Zulagen höher. Ein großer Vorteil: Die Ausschüttungen der Wertpapiere sind bis zum Beginn der Auszahlphase steuerfrei. Erst dann beginnt die Steuerpflicht.
Wie der Finanzminister nannte auch Carsten Brodesser (CDU) Riester zu kompliziert, zu bürokratisch, zu teuer und zu renditearm. Das Altersvorsorgedepot werde die Beteiligung der Kleinsparer am Kapitalmarkt ermöglichen. Kay Gottschalk (AfD) war pessimistisch: Bei der hohen Abgabenlast bleibe kein Geld für eine Altersvorsorge übrig. Sarah Vollath (Linke) verlangte eine Stärkung der gesetzlichen Rente. Davon hätten alle Menschen etwas.
Die Grünen wollen einen anderen Weg gehen. Stefan Schmidt (Grüne) präsentierte einen Antrag für einen öffentlich verwalteten Bürgerfonds, der ebenfalls an die Ausschüsse überwiesen wurde. In den Bürgerfonds soll jeder Beschäftige einzahlen. Das Geld soll breit gestreut und langfristig am Kapitalmarkt angelegt werden. Vom Plan der Regierung profitieren werde nur die Finanzbranche, sagte Schmidt zu den aus seiner Sicht zu hohen Gebühren von 1,5 Prozent für das Standardprodukt. In Schweden betrage die Gebühr für den dortigen Fonds 0,1 Prozent. Michael Thews (SPD) kündigte an, über die Gebühren werde noch geredet werden.
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