Raumfahrtnation Deutschland : NASA fliegt mit "Made in Germany" ins All
Deutschland soll Raumfahrtnation werden – darüber herrscht Einigkeit. Während die Grünen auf Start-ups setzen, will die Linke weniger Macht für Privatunternehmen.
Mit 400.171 Kilometern Entfernung haben sich die drei Astronauten und die Astronautin der Artemis-II-Mission weiter von der Erde entfernt als jemals ein Mensch zuvor. Anfang April fand die neuntägige Mission statt, die als Testflug für künftig geplante Mondlandungen diente.
Anfang April umrundete das Raumschiff der Artemis-II-Mission den Mond. Auf der neuntägigen Reise machten die drei Astronauten und eine Astronautin Aufnahmen von der Erde.
Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) zeigte sich während einer Aktuellen Stunde zur "Raumfahrtnation Deutschland" am Mittwoch sichtlich beeindruckt von der gelungenen Mission. Bär betonte, dass dabei auch deutsche Start-ups und Technik zum Erfolg beigetragen hätten. So sei etwa das Servicemodul in Deutschland entwickelt worden, ebenso wie der Sternensensor zur Navigation im All: "Das heißt, dank uns fliegt die NASA zum Mond." Bär ergänzte, dass dies natürlich auch umgekehrt gelte: "Dank der NASA fliegen wir zum Mond." Es freue sie ganz besonders, dass die NASA zugesichert habe, dass "der erste Europäer, der zum Mond fliegen darf, ein Deutscher sein wird".
Deutsche Systeme wurden bei Artemis-II-Mission eingesetzt
Dass es bei der Raumfahrt nicht um Science Fiction oder Symbolpolitik gehe, sondern um Wissenschaft und ein breites Forschungsspektrum, betonte Carolin Wagner (SPD).
Manche Technologien, wie GPS und wasserdichte Materialien, seien ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt worden, haben Wagner zufolge aber auf der Erde einen enormen Nutzen.
Von den Wachstumsprognosen für den Raumfahrtsektor könnten andere Branchen nur träumen, sagte Claudia Müller (Grüne). Insgesamt zeigte sie sich zufrieden mit der Entwicklung des Raumfahrtsektors hierzulande, der von einer "super innovativen und vielfältigen Start-up-Szene" profitiere. Es sei nun wichtig, dass die Bundesregierung für einen lebendigen Wettbewerb sorge und sich nicht nur auf die großen Unternehmen konzentriere.
Linke: Kein Freifahrtschein für Privatunternehmen im Weltall
Kritischer gegenüber der Entwicklung, dass vor allem privatwirtschaftliche Unternehmen und Milliardäre bei der Raumfahrt mitmischten, äußerte sich Sonja Lemke (Die Linke). Statt auf einen "Freifahrtschein für Privatunternehmen" zu setzen, müsse die Bundesregierung für klare Regeln sorgen und den Zugang zum Weltraum und zu den Satellitennetzen zu öffentlichen Gütern erklären. Inzwischen seien etwa SpaceX-Raketen der Hauptweg ins All, und Starlink mache einen Großteil der Satelliten aus. Dies führe dazu, dass "eine Einzelperson ganze Staaten erpressen kann und den Verlauf von Kriegen bestimmt", warnte sie.
CDU-Politiker Florian Müller widersprach seiner Vorrednerin. Die Annahme, sich zwischen "sozialer Verantwortung und industrieller Stärke entscheiden" zu müssen, sei falsch, denn ohne Wohlstand gebe es keinen Sozialstaat. Wohlstand wiederum entstehe durch Technologie, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit. Raumfahrt sei dabei nicht nur eine Nebensache, "sondern Teil unserer wirtschaftlichen und sozialen Zukunft".
Als "miserabel" bezeichnete AfD-Politiker Andreas Meyer die bisherige Arbeit der Bundesregierung im Bereich der Raumfahrt. Es seien keine vorzeigbaren Erfolge zu verbuchen. Auch die Artemis-II-Mission zeige deutlich, dass die Meilensteine in der Raumfahrt derzeit andere Länder prägten.
Deutschland investiert kräftig in die Raumfahrt, um beim Wettlauf um den Weltraum mithalten zu können. Die Linke sieht indes dringenden Handlungsbedarf beim Bafög.
Im UN-Innovationsindex liegt Deutschland nur noch auf Platz elf – für Forschungsministerin Bär ein zusätzlicher Ansporn, kräftig zu investieren.
In "Armstrongs Erben" schildert der Journalist Christoph Seidler anschaulich und spannend den erneuten Wettlauf zum Mond - samt seinen Konfliktpotenzialen.