Vor 70 Jahren : Dehler gegen Euler
Am 23. Februar 1956 kommt es zu einem Bruch bei den Liberalen: Der Austritt der „Euler-Gruppe“ markierte das Ende der FDP-Regierungsbeteiligung unter Adenauer.
Die Krise in der Koalition war das Ergebnis eines Dominoeffekts. Der letzte Stein, der fiel, war die sogenannten "Euler-Gruppe", eine Gruppe von 16 FDP-Abgeordneten, darunter auch vier Minister, die sich am 23. Februar 1956 von ihrer eigenen Fraktion abspaltete.
Blieben dem Kanzler und nicht der FDP treu: August-Martin Euler (l.) während der Pressekonferenz zum Austritt aus der FDP-Fraktion neben Bundesminister Hermann Schäfer (2.v.l.).
Der erste Stein war eine von der Union angeregte Wahlrechtsänderung. Im Januar 1956 erwog die Fraktion um Kanzler Konrad Adenauer (CDU), das sogenannte "Grabenwahlsystem" einzuführen. Die Folge: Sollte die Union bei der Bundestagswahl 1957 wie vier Jahre zuvor 45 Prozent der Stimmen holen, so wurde errechnet, würde ihr das 63 Prozent der Sitze im Parlament sichern.
Euler-Gruppe beschloss, eine eigene Fraktion zu bilden
Der Koalitionspartner FDP fühlte sich im "Würgegriff". Im nordrhein-westfälischen Landtag reagierten die Liberalen, kündigten die Koalition mit der CDU auf und stürzten am 20. Februar gemeinsam mit der SPD Ministerpräsident Karl Arnold (CDU).
In Bonn wollten die 16 kanzlertreuen Liberalen um den FDP-Abgeordneten August-Martin Euler dagegen eine rot-gelbe "Abenteuerfahrt" verhindern. Nach ihrem Austritt beschloss die Gruppe am 1. März, eine eigene Fraktion zu bilden. Zwei Wochen später wurde die "Demokratische Arbeitsgemeinschaft" (DA) vom Bundestag gebilligt. Am 21. März 1956 wurde die DA in die Koalition aufgenommen. Die FDP mit ihrem Fraktionschef Thomas Dehler schied dagegen schon am 25. Februar 1956 aus der Koalition mit Union und Deutscher Partei (DP) aus und war fortan in der Opposition.
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