Vor 40 Jahren : Neuer Stellenwert für den Umweltschutz
Sechs Wochen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl nimmt am 6. Juni 1986 das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit seine Arbeit auf.
Die Forderungen blieben lange ungehört: Während es in einigen Bundesländern - in Bayern sogar schon seit 1970 - eigene Umweltministerien gab, waren die Zuständigkeiten beim Thema Umweltschutz auf Bundesebene auf mehrere Ministerien verteilt.
Ein Bekenntnis der Politik zum Schutz der Umwelt: Das neu gegründete Bundesumweltministerium bezieht im Juni 1986 seinen Amtssitz in Bonn.
Das Hauptargument gegen eine Bündelung dieser Aufgaben war, dass Umweltinteressen in einem eigenen Ressort auch nicht besser vertreten werden könnten, als es bislang vor allem die Abteilung Umweltschutz mit ihren vier Unterabteilungen und 19 Referaten im Bundesinnenministerium tat.
Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 gab jedoch den Anstoß für ein Umdenken: Am 6. Juni 1986 wurde durch einen Organisationserlass von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gegründet.
Grüne kritisieren Kohls “durchsichtiges Wahlkampfmanöver”
Dabei mussten einige Ressorts Kompetenzen abgeben: Das Innenministerium beispielsweise die Zuständigkeiten für Umweltschutz und Sicherheit kerntechnischer Anlagen, das Landwirtschaftsministerium den Naturschutz, das Ministerium für Jugend, Familie und Gesundheit unter anderen die Themen Strahlenhygiene und Rückstände von Schadstoffen in Lebensmitteln.
Erster Bundesumweltminister wurde Walter Wallmann (CDU). Die Grünen im Bundestag sahen in der Aktion ein "durchsichtiges Wahlkampfmanöver" von Bundeskanzler Kohl. Das Waldsterben und die Vergiftung von Nahrungsmitteln hätten nicht gereicht: Offenbar habe es eines Super-Gaus bedurft, damit die Bundesregierung ein Umweltministerium einrichtet, welches die Grünen schon seit Jahren gefordert hätten.
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