Gastkommentare : Pro oder Contra: Sollen Liga-Vereine für Polizeieinsätze zahlen?
Sollten die Fußballvereine der Profi-Ligen in Deutschland für Polizeieinsätze bezahlen müssen? Markus Decker und Johannes Kopp mit einem Pro und Contra.
Pro
Eine Kostenbeteiligung bei Hochrisikospielen entspricht dem allgemeinen Gerechtigkeitsempfinden
Der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer ist Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand gegangen. Zuvor hat der Sozialdemokrat aber mit hohem kämpferischem Einsatz etwas Wichtiges erreicht: das von ihm erstrittene Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach die Bundesländer Vereinen der Fußball-Bundesliga die Kosten bei Hochrisikospielen in Rechnung stellen dürfen. Wohlgemerkt: dürfen, nicht müssen. Man kann Mäurer nur zurufen: Gut gemacht!
Zwar geht es für viele Fans beim Profifußball um Sport. Doch für die Vereine geht es ums Geschäft. Ihre Angestellten bekommen teilweise zweistellige Millionen-Summen. Selbst herausragende Zweitliga-Kicker kassieren immer noch so viel Geld, dass sie sich nach einer Spielzeit zur Ruhe setzen könnten - vorausgesetzt, sie legen es gut an. Es passt jedenfalls ins Bild, dass bestimmte Klubs wie Borussia Dortmund sogar börsennotiert sind. Wer an die Börse gehen kann, der kann auch etwas für die Herstellung der öffentlichen Sicherheit abgeben.
Im Übrigen geht es nicht um alle Spiele, sondern lediglich um die Kostenbeteiligung bei den sogenannten Hochrisikospielen - wenn also beispielsweise Werder Bremen den Hamburger Sportverein empfängt. Dies war ja auch der Ausgangspunkt des Rechtsstreits. Dann ist besonderer Eifer zu erwarten, der leicht in Gewalt münden kann. Polizisten müssen dafür im Ernstfall ihre Knochen hinhalten. Und die Bürgerschaft muss einen Teil der Steuereinnahmen berappen - unabhängig davon, ob sie mit Fußball etwas am Hut hat. Dass die Vereine bei einem entsprechenden politischen Willen in die Tasche greifen müssen, wenn es brennt, ist nicht nur sachlich geboten. Es entspricht dem allgemeinen Gerechtigkeitsempfinden.
Deshalb: Danke, Herr Mäurer!
Contra
Besser mehr Geld für Prävention in den Blick nehmen
Der Gedanke hinter dem Bremer Modell ist so schlicht wie verführerisch. Zumal das Bundesverfassungsgericht dieses als zulässig erklärt hat. Warum sollen die Fußballvereine mit ihren üppigen Einnahmen in Extremfällen nicht an den Polizeikosten beteiligt werden, wenn doch die für innere Sicherheit zuständigen Bundesländer in immer tiefer werdende Haushaltslöcher schauen müssen? Dass mit Bremen das ärmste Bundesland in dieser Angelegenheit vorangeht, ist natürlich kein Zufall. Aber wie klug ist es, politische Grundsatzfragen nach Kassenlage zu entscheiden?
Sicherheit zu privatisieren, sei nicht der richtige Weg, so bringt Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) den Grund seiner ablehnenden Haltung auf den Punkt. Ist die Hürde genommen, stellt sich die Frage, ob nicht gewinnorientierte Konzert- und Volksfestveranstalter ebenso zur Kasse gebeten werden sollten. Lässt sich so Sicherheit wirklich preiswerter organisieren?
Im Zweifel holen die Vereine die Kosten über die Tickets zurück. Zu Regelbrüchen neigende Fan- und Jugendkulturen werden ihre Gewaltpotentiale dann an anderer Stelle ausleben, die für den Staat nicht weniger kostenintensiv sein werden. Wenn Sicherheitszugewinn möglichst günstig erreicht werden soll, muss ein weiteres Kernproblem erörtert werden. Vielerorts klagen Anwälte von Fanhilfe-Organisationen vermehrt über maßlose kostenintensive Polizeieinsätze, die eher Gewalt provozieren als einzudämmen. Jenseits der repressiven Mittel müssen die präventiven Möglichkeiten in den Blick genommen werden. Intensive Fanprojektarbeit etwa hat dazu beigetragen, dass wir heute weit entfernt sind von den Gewaltzuständen rund um die Fußballstadien in den 1980er Jahren.
In diesem Bereich sollten die Profivereine zu größeren finanziellen Beiträgen verpflichtet werden. Das wäre der beste Weg, um Polizeikosten zu mindern.
Mehr zum Thema lesen
Politiker warnen vor den Gefahren, etwa durch Pyrotechnik, auf den Rängen und fordern mehr Sicherheitsmaßnahmen. Anhänger sorgen sich um die Fankultur in den Kurven.
Es ist eine Branche, die schnell wächst: Der deutsche Profifußball erwirtschaftete 2025 mehr als sechs Milliarden Euro und bietet über 64.000 Menschen Beschäftigung.
Fußball als Standortfaktor: Warum die öffentliche Hand in Stadien investiert und was ein Profiverein für eine Stadt bedeutet – am Beispiel des SV Werder Bremen.