Rekordumsatz in der Bundesliga : Ein erheblicher Wirtschaftsfaktor
Es ist eine Branche, die schnell wächst: Der deutsche Profifußball erwirtschaftete 2025 mehr als sechs Milliarden Euro und bietet über 64.000 Menschen Beschäftigung.
Mehr als ein Vierteljahrhundert ist es jetzt her, dass sich der deutsche Profifußball in die Eigenständigkeit begab. Als sich die 36 Lizenzvereine der Bundesliga und der Zweiten Bundesliga im Dezember 2000 vereinten, war derjenige "technologisch auf dem neuesten Stand", der ein Nokia-Handy besaß, wie Ligapräsident Hans-Joachim Watzke auf dem diesjährigen Neujahrsempfang der Deutschen Fußball-Liga (DFL) süffisant anmerkte. Zentraler Aspekt: die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern.
Seitdem vermeldet die Liga-Organisation regelmäßig neue Rekordzahlen - auch die Delle aus der Corona-Pandemie der Jahre 2020 und 2021 ist längst überwunden.
Hans-Joachim Watzke, Präsident von Borussia Dortmund und Präsident der DFL, beim Handshake mit einem Fan auf der der Mitgliederversammlung des BVB.
Deutschlands Volksport Nummer eins vereint Menschen ganz unterschiedlicher Couleur und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In der Saison 2024/25 erwirtschaften die Proficlubs 6,33 Milliarden Euro und entrichteten 1,7 Milliarden Euro Steuern und Abgaben an die öffentlichen Kassen. Ein sattes Plus von acht Prozent. 28 der 36 Vereine und Kapitalgesellschaften haben zuletzt einen Gewinn erzielt - nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen wohlgemerkt. Es zahlt sich für die Vereine aus, dass sich die Menschen weiterhin ihrem Lieblingsvereine die Treue halten.
Erste Bundesliga mit neuem Rekordumsatz von 5,12 Milliarden Euro
Von der Beliebtheit profitiert vor allem das Flaggschiff Bundesliga, das einen neuen Rekordumsatz von 5,12 Milliarden Euro vermeldete. Die Zweite Bundesliga steigerte ihre Erlöse erstmals auf 1,21 Milliarden Euro. Dazu trugen Traditionsmarken wie der 1. FC Köln und der Hamburger SV bei, die in der vergangenen Saison noch zweitklassig spielten. Kleiner Makel: Das Geld ist innerhalb der 36 Lizenzvereine ziemlich ungleich verteilt. Die hohen Einnahmen aus der internationalen Vermarktung, insbesondere aus der Champions League, sorgen für eine gewaltige Kluft. Der FC Bayern vermeldete einen Gesamtumsatz im Konzern von fast einer Milliarde Euro, Borussia Dortmund lag bei 526 Millionen Euro. Beliebte Klubs wie Werder Bremen können diese Lücke nicht mehr schließen, Traditionsvereine wie FC Schalke 04, 1. FC Nürnberg oder 1. FC Kaiserslautern sind seit vielen Jahren nur noch zweitklassig.
Mehr als 64.000 Beschäftigte rund um beide Ligen markieren einen weiteren Höchstwert. Laut einer im Februar 2025 veröffentlichten McKinsey-Studie werden dem System nahezu 150.000 Vollzeitstellen zugeordnet, weil die ökonomischen Effekte auch in Bereiche wie Medien, Sportartikel, Marketing, Gastronomie und Infrastruktur ragen. Nach der im Auftrag der DFL erhobenen Studie generiert der Profifußball in Deutschland sogar eine Wertschöpfung von 14,2 Milliarden Euro. Der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag bei 0,33 Prozent. Zum Vergleich: Das ist knapp die Hälfte der Gesamtwertschöpfung aus den Bereichen Land- und Forstwirtschaft und Fischerei.
Und die Fußball-Branche wächst schneller als die meisten anderen, auch weil sie eine hohe gesellschaftliche Relevanz besitzt. Fast jeder Zweite interessiert sich in Deutschland für die Bundesliga - kaum eine andere Kultur- und Freizeitbeschäftigung stößt auf so viel Interesse.
Personalaufwand in der Bundesliga bei mehr als 1,7 Milliarden Euro
Auch daher verdienen Berufsfußballer hierzulande so gut wie in keiner anderen Profisportart. Allein in der Bundesliga lag der Personalaufwand bei mehr als 1,7 Milliarden Euro. Bayern-Stars wie Harry Kane, Joshua Kimmich und Manuel Neuer kassieren Jahresgehälter von rund 20 Millionen Euro. Beide Bundesligen sind zudem Magneten öffentlicher Aufmerksamkeit, wie eine Rekordzahl von fast 21 Millionen Tickets belegt.
Ligapräsident Hans-Joachim Watzke betonte bei seiner Rede im Frankfurter Palmengarten, dass die Reichweite konsequent für positive gesellschaftliche Signale genutzt werde: “Unsere Clubs engagieren sich für Integration und Inklusion, setzen sich aktiv für Zusammenhalt und Demokratie ein und beziehen auch dann Stellung, wenn es nicht nur Applaus gibt - zum Beispiel im Kampf gegen Antisemitismus.”
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