EFI-Gutachten eingebracht : Wissenstransfer bleibt zentrale Herausforderung
Für die Expertenkommission sendet die Hightech Agenda insgesamt "ein starkes Signal". Doch bei den Schlüsseltechnologien verbucht das EFI-Gutachten 2026 Defizite.
Deutschland ist stark in der Grundlagenforschung, hat jedoch nach wie vor Nachholbedarf beim Transfer in wirtschaftliche Anwendungen. In vier der von der Bundesregierung identifizierten Schlüsseltechnologien werden weniger Patente angemeldet als wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht. Diese starke Diskrepanz "kann ein Hinweis auf eine Transferschwäche sein". Forschungsergebnisse würden demnach andernorts wirtschaftlich verwertet.
Zu diesem Schluss kommt die unabhängige Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) in ihrem Jahresgutachten 2026, das am Freitagmittag als Unterrichtung in den Bundestag eingebracht wurde. Seit 2008 übermittelt die sechsköpfige Kommission der Bundesregierung ihre Einschätzung zur Forschungs- und Innovationskraft Deutschlands.
EU braucht mehr Rechenkapazität im KI-Wettbewerb
Im ersten Teil des Berichts befasst sich die EFI insbesondere mit der Hightech Agenda Deutschland (HTAD), deren Herzstück die sechs Schlüsseltechnologien sind: KI, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung sowie Technologien für die klimaneutrale Mobilität.
"Starkes Signal" mit Handlungsempfehlungen: Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) hat im Februar das diesjährige EFI-Gutachten entgegengenommen.
Während bei den letzten beiden Bereichen im internationalen Vergleich relativ viele Patente angemeldet wurden, fällt die Bilanz bei KI und Mikroelektronik deutlich schwächer aus. Insgesamt bewertet die EFI die HTAD jedoch als ein starkes Signal für Forschung und Innovation.
EFI fordert Offenheit bei den Schlüsseltechnologien
Mit der HTAD will die Bundesregierung den Sprung zum Innovationsstandort schaffen. Geplant ist, für jede Schlüsseltechnologie in einem "Roadmap-Prozess" zentrale Maßnahmen und Ziele festzulegen.
Damit die angestrebten Effekte eintreten, müsse dieser Prozess flexibel gestaltet sein, fordern die Experten. Je nach Entwicklung sollten Schlüsseltechnologien ergänzt oder gestrichen werden können. Ob etwa die Kernfusion tatsächlich zur Schlüsseltechnologie wird, sei noch offen. Kritisch bewertet die EFI, dass relevante Schlüsseltechnologien bislang unberücksichtigt bleiben. Dazu zählen Material- und Produktionstechnologien wie Robotik und Photonik.
An Hochschulen gehen die Patentanmeldungen zurück
Um im Bereich Künstliche Intelligenz nicht den Anschluss an die USA und China zu verlieren, müsse die Bundesregierung ihre KI-Strategie überarbeiten, heißt es in dem Gutachten. Die EU solle sich das Ziel setzen, innerhalb der nächsten fünf Jahre bis zu 15 Prozent der weltweiten Rechenkapazität bereitzustellen. Zudem müsse sie die Forschung an KI-Modellen vorantreiben und die Rahmenbedingungen für private Investitionen verbessern.
Eines der Kernthemen des diesjährigen Gutachtens ist die Innovationskraft des deutschen Hochschulwesens. Auch hier verzeichnet die EFI, ähnlich wie bei außeruniversitären Einrichtungen, rückläufige Patentanmeldungen. Für einen Strukturwandel müsse der Wissenstransfer zur Kernaufgabe der Hochschulen werden. Einfachere Antragsstrukturen und eine verlässliche Finanzierung könnten laut Experten Abhilfe schaffen.
Im UN-Innovationsindex liegt Deutschland nur noch auf Platz elf – für Forschungsministerin Bär ein zusätzlicher Ansporn, kräftig zu investieren.
Quantentechnologien sollen verstärkt gefördert werden. Die Opposition vermisst Konkretes im Handlungskonzept der Bundesregierung.