Parlamentarisches Profil : Der Fußball-Fan: Omid Nouripour
Omid Nouripour ist glühender Fan von Eintracht Frankfurt. Der Vizepräsident des Bundestags findet, die Politik redet zu sehr von oben herab über die Fanszenen.
Manchmal fallen im Bundestag Geburtstag und Weihnachten zusammen - für die Fans von Eintracht Frankfurt ist das, wenn sich eine Sitzungswoche im Parlament und die "englische Woche" der Bundesliga paaren. Dann treffen sich Abgeordnete, Mitarbeiter aus den Fraktionen oder Beamte aus Ministerien sowie Ehemalige und Journalisten aus dem über hundert Mitglieder starken Fanclub "bundesAdler" in einer Kneipe oder sonst wo, um mit ihrem Herzensverein mitzufiebern.
Mittendrin als ihr Vorsitzender: Omid Nouripour, Parlamentarier für die Grünen seit 2006 und Vizepräsident des Bundestages. "Bisher haben wir niemanden ausgeschlossen", sagt er am Telefon über den Fanclub, der laut eigener Website "sich selbst nicht immer ganz so ernst nimmt wie die Liebe zu seinem Verein".
Omid Nouripour ist seit 2006 Mitglied des Bundestages und seit dieser Wahlperiode Teil des Bundestagspräsidiums. Der gebürtige Teheraner ist leidenschaftlicher Fan von Eintracht Frankfurt.
Das ist eben Fußball. Geatmet von einem, der Fan ist, "seit ich denken und laufen kann". Für Nouripour ist das "pure Freude und Leidenschaft", was zuweilen ein Mitleiden mit dem Lieblingsverein mit einbezieht. All in. "Man singt und feiert zusammen", sagt der Dauerkarteninhaber bei der Eintracht Frankfurt, deren Fans sich auch mal "Heilige Gemeinschaft" nennen. Bei Nouripour loderte dieses Feuer bereits mit vier Jahren, als sein Vater eines Tages mit einem Trikot seines Lieblingsspielers für ihn nach Hause kam, die Familie lebte damals noch in Teheran, man war für Persepolis FC.
In seiner Jugend hat der Fußball-Fan selbst gekickt
Als Nouripour 13 war, zog die Familie nach Frankfurt; es drohte ihm ab 14 ein Ausreiseverbot - zudem war ein Onkel vom iranischen Regime hingerichtet worden, ein anderer im Krieg durch Giftgas verletzt und seine Schwester bereits einmal verhaftet worden.
Am Main setzte sich die Liebe zur Pille fort: "Wir Kids haben in jeder freien Minute auf dem Hof gekickt", erinnert er sich. "Allein die Bundesliga wurde von uns rauf und runter diskutiert." Nouripour spielte auch im Verein, "allerdings mit mittelmäßigem Erfolg, wegen mittelmäßigen Talents", bei FSV Frankfurt und beim Ballspielclub Schwarz-Weiß. Heute gehe es nicht mehr, nach mehreren Blessuren an den Knien.
„Fußball ist ein Türöffner, er hat eine andere Reichweite als etwa politische Parteien.“
Aber Fan bleibt man ja. "Einige Jahre später erwachte mein Interesse für Politik", heißt es auf seiner Website. “Ich schaute mich um, besuchte Treffen von SPD und Grünen. Bei der SPD wurde ich gleich gefragt: 'Wo kommst du her?'. Bei den Grünen stellt man mir diese Frage nicht, es war nicht wichtig. Das beeindruckte mich, also blieb ich.”
Nouripour ist ein nahbarer Typ. Er redet auf den Punkt genau, hält keine langen Monologe, man hört ihm zu, kommt schnell ins Gespräch. In der Partei fiel er auf. Zwischen 1999 und 2003 war er hessischer Landesvorsitzender der Grünen Jugend, wurde Beisitzer im Bundesvorstand der Grünen. 2006 rückte er für den ausgeschiedenen Abgeordneten Joschka Fischer in den Bundestag nach - und blieb. War sicherheitspolitischer, dann außenpolitischer Sprecher der Fraktion und wurde 2022 zusammen mit Ricarda Lang zum Bundesvorsitzenden gewählt, ein Amt, das er bis Ende 2024 ausübte. Überhaupt fallen die vielen Ämter auf, die man ihm anträgt.
Bei Eintracht Frankfurt ist Nouripour als Nachhaltigkeitsbeauftragter tätig
Vielleicht ist er auch einer, der schlecht Nein sagen kann. Jedenfalls ist Nouripour auch Nachhaltigkeitsbeauftragter bei Eintracht Frankfurt, "2021 hatte ich die Idee zum Nachhaltigkeitsbeirat, und der Verein hatte die Offenheit". Als grüner Fan macht man sich ja Gedanken, über Müllentsorgung, Wassermanagement oder Energieversorgung. Und so organisiert Nouripour mit Getreuen Aktionen wie das Pflanzen von Bäumen rund ums Waldstadion, oder gemeinsames Müllsammeln. "Fußball ist ein Türöffner, er hat eine andere Reichweite als etwa politische Parteien".
Und was könnte die Politik für den Fußball tun? "Man muss Breitensport denken, um den Spitzensport zu haben", gibt er zu bedenken. "Es gibt zig Tausende Kinder, die bei Vereinen auf Wartelisten stehen, weil es nicht genug Plätze gibt." Überhaupt rede die Politik über Fanszenen zu sehr von oben herab, "wie bei der Debatte über Polizeieinsatzkosten". Die meisten Vereine hätten eben nicht das Geld. So würde man nur die Tickets verteuern und Leute ausschließen.
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