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Parlamentarisches Profil : Der Offene: Henri Schmidt

Zwischen IT-Erfahrung und Bundestag: Der Christdemokrat erklärt, warum Digitalisierung für ihn entscheidend ist – aber die Digitalsteuer nur ein möglicher Baustein.

17.04.2026
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3 Min

Dieser Mensch ist ein Phänomen. Binnen fünf Minuten lässt er Fremde so viel über sich erfahren, dass der Platz hier nicht ausreichte. Er ist einer, der sagt: "Ich mag ein Leben in Stress." Und: "Mein Motto ist: 'Magic happens outside of the comfort zone'." Henri Schmidt, 42, direkt gewählter Abgeordneter für die CDU aus dem Wahlkreis Herzogtum Lauenburg - Storman-Süd, sagt dies mit entwaffnender Ehrlichkeit.

Foto: Tobias Koch

Henri Schmidt sitzt seit 2025 für die Unionsfraktion im Bundestag. Er ist Mitglied im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung sowie stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss.

Es ist Donnerstagnachmittag, in sein Büro in der Wilhelmstraße knallt die Frühlingssonne. Die Grünen fordern in dieser Woche im Bundestag die Einführung einer Digitalsteuer, um große Tech-Konzerne stärker zu besteuern. "In dieser geopolitischen Lage muss jede Maßnahme abgewogen werden", sagt er. 

Die USA würden das Gesetz über digitale Märkte hierzulande als Zoll ansehen. "Es gibt mittlerweile Millionenstrafen, die nicht mehr aus der Portokasse bezahlt werden." Die von den Grünen geforderte Steuer hält er für ein mögliches Element, "wenn man sich nicht mehr einigen kann".

Der CDU-Politiker kam eher zufällig zu den Technologiethemen

Schmidt ist seit 2025 im Bundestag, dort sitzt er im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung. "Jeder sagt, ich sei im wichtigsten Ausschuss", lächelt er. "Das sage ich auch. Nur stimmt es." Der Zustand der digitalen Infrastruktur in Deutschland sei ausbaufähig, "er ist schlecht". Man hinke deutlich hinterher. Doch mittlerweile setze sich die Erkenntnis durch: "Wenn wir jetzt nicht dabei sind, wird der Preis hoch." Und so spricht er über die angestoßenen Initiativen zur Entbürokratisierung, über miteinander sprechende Datenbänke, damit der Staat in vielen Angelegenheiten nicht mehr vom Bürger wissen will, als das, was er schon weiß.

Zu den Technologiethemen kam er zufällig. Aber es ähnelt einem Staffellauf. Nach einem Politikstudium an der Universität der Bundeswehr in Hamburg, einem Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre und einer Abschlussarbeit über "Business Outsourcing Payroll" wurde das IT-Service-Unternehmen ADP auf ihn aufmerksam; der Branchenriese aus den USA engagierte ihn als Key Account Manager mit hundert Kunden in Deutschland. In der Arbeit mit ihnen lernte er IT von der Pieke auf.


„Wenn es mit dem digitalen Ausbau nicht gut klappt, fällt uns das vor die Füße.“
Henri Schmidt (CDU)

Schmidts politisches Engagement begann schon im Studium. "Ein paar Kameraden meinten, wir sollten alle in die CDU eintreten", erinnert er sich. Da habe er sich gefragt, ob die überhaupt das richtige sei. "Die FDP hätte mich auch gereizt", sagt er offen. Aber gefragt wurde er von der CDU.

Vor dem Studium in Hamburg wuchs er im brandenburgischen Luckenwalde auf. Seine Eltern arbeiteten in einem Sägewerk, als Staplerfahrer, auf großen Maschinen und am Fließband. "Politik war nicht wirklich Thema bei uns Zuhause. Aber sie sagten: Sorge dafür, dass es dir besser ergeht." In Hamburg arbeitete er für einen Bundestagsabgeordneten.

Eine Karriere als Berufspolitiker war nie Schmidts Plan

Jahre später, bei ADP, kam er in die Gemeindevertretung von Barsbüttel und wurde dort Fraktionsvorsitzender. "Es machte mir Spaß", sagt er. "Es war auch ein Ausgleich zur harten Arbeit im US-Konzern, direkt eine Erholung."

So war es vielleicht kein Zufall, als man ihm 2023 beim Entenessen der CDU in Reinbek fragte, ob er denn nicht für den Bundestag kandidieren wolle. "Mein Plan war es nie, Berufspolitiker zu werden"; gerade war er Geschäftsführer eines IT-Unternehmens geworden. Aber in den Wahlkampf zog er doch. Und dann in den Sitzungswochen nach Berlin.

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Und schließlich nennt er noch einen anderen Grund, warum der Digitalausschuss der wichtigste sei. "Wenn es mit dem digitalen Ausbau nicht gut klappt, fällt uns das vor die Füße." Dann werde der Staat zunehmend abgelehnt, und dann die klassischen Parteien. Ihm würden Unterschiede auffallen. 

In Schleswig-Holstein könne man entspannter und offener über Politik reden. In der alten Heimat Luckenwalde aber werde es schneller emotionaler, "und geht unter die Gürtellinie". Das mache ihn fertig, "das treibt mich um". Ihn treibe die Frage an, wie man komplexe politische Botschaften transportieren kann. “Es ist leider einfacher, in 60 Sekunden gegen etwas zu sein als dafür.”


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