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Parlamentarisches Profil : Die Achtsame: Mechthild Heil

CDU-Politikerin Mechthild Heil kämpft für einen besseren Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt. Sie sagt: "Wir Politiker sind hinten dran. Wir behandeln Symptome".

26.02.2026
True 2026-02-26T18:32:28.3600Z
3 Min

Wenn Politiker fordern, ein Thema müsse mehr diskutiert werden, mehr Sensibilität in der Bevölkerung erfahren und auf die gesellschaftliche Tagesordnung kommen - dann tun sie es zuweilen, um selber nichts Konkretes zu machen. Oder sie heißen Mechthild Heil, dann ist Wegschauen keine Option. "Es ist gut, dass wir jetzt Schutzmaßnahmen ergreifen", sagt sie, "aber das Problem liegt tiefer. Warum sehen wir mehr Gewalt?"

Foto: MdB Heil

Mechthild Heil ist seit 2009 Mitglied im Deutschen Bundestag. Sie leitete den Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe.

Heil, 64, CDU-Abgeordnete für den Wahlkreis Ahrweiler, sieht im Entwurf zur Einführung elektronischer Fußfesseln bei häuslicher Gewalt eine Notwendigkeit. Nach spanischem Vorbild sollen Familienrichter diese bestimmen können - und Täter zur Teilnahme an Anti-Gewalt-Trainings verpflichten; Verstöße gegen Gewaltschutzanordnungen sollen schärfer geahndet werden: Das Höchstmaß der möglichen Freiheitsstrafe soll von zwei auf drei Jahre angehoben werden.

Die Christdemokratin Heil will bei der Erziehung ansetzen

"Die Gesellschaft muss mehr hingucken", bilanziert Heil. "Mittlerweile hat sie gelernt, dass Kinder nicht geschlagen werden dürfen. Ich wurde noch in der Schule geschlagen, und da hat sich viel getan. Aber was ist mit der Gewalt gegen Frauen?" Die Christdemokratin will bei der Erziehung ansetzen, welche Rollen Mädchen und Jungen vermittelt werden, und sie fordert eine stärkere Diskussion über Pornografie, die zuweilen mit Gewalt daherkomme und Frauen zu Gegenständen degradiere - "was macht das alles mit einer Gesellschaft?" Ihr Befund: Einerseits gebe es selbstbewusstere Frauen, aber mehr Übergriffe gegen sie in Beziehungen. “Es ist doch verrückt, wenn Frauen in ein Frauenhaus müssen!”


„Das kollektive Bewusstsein zur Verdammung von Gewalt funktioniert nicht genügend nach innen. Das wird allzu rasch weggedrückt, nach dem Motto: 'Soetwas kommt bei uns nicht vor'.“
Mechthild Heil (CDU)

Moment, dazu eine praktische Frage. Es wäre doch schon ein konkreter Schritt, wenn Frauen in ein Frauenhaus könnten; gibt es nicht davon zu wenige und zu schlecht ausgestattete? "Wir müssen sie anders finanzieren", räumt Heil ein. "Und zwar auskömmlich. Das muss von den Ländern gemacht werden, wie es Schleswig-Holstein vormacht." Das ganze System funktioniere nicht. "Das kollektive Bewusstsein zur Verdammung von Gewalt funktioniert nicht genügend nach innen. Das wird allzu rasch weggedrückt, nach dem Motto: 'Soetwas kommt bei uns nicht vor'." Man hört es ihr am Telefon an, dass sie gern mehr täte. "Wir Politiker sind hinten dran. Wir behandeln Symptome."

Erst Architekturstudium, dann Berufspolitikerin

Heil war in ihrer Schulzeit oft Klassensprecherin, leitete eine Jugendgruppe in der Kirchengemeinde. Das Elternhaus war politisch, ihre Mutter saß für die CDU im Stadtrat. "Ich selber empfand mich damals als unpolitisch, eher kreativ-mathematisch. Erst später merkte ich, dass ich auch gut mit Menschen kann." Nach dem Architekturstudium, der selbstständigen Arbeit im eigenen Unternehmen, das seit drei Generationen von der Familie geführt wird, und der Familiengründung merkte sie, dass sie "etwas zurückgeben möchte." Sie trat 1994 in die CDU ein und kam mit Platz 12 auf der Liste in den Stadtrat, 1999 in den Kreistag. Sie übernahm Parteiämter wie die Vorstandsmitgliedschaft im Bezirk Koblenz/Montabaur.

Dann kam der Bundestag. "Ich hatte nie daran gedacht, Berufspolitikerin zu werden, aber man wird ja nur einmal gefragt." Also kandidierte sie, setzte sich parteiintern durch und gewann seitdem stets den Wahlkreis. Das mit dem "mit Menschen können" hatte sich wohl herumgesprochen. Mittlerweile sitzt sie seit 2016 im Bundesvorstand der CDU und ist seit September 2024 Vize-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz; im Bundestag leitet sie den Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, bis 2025 war sie Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Auf der lokalen Ebene engagiert sie sich beim Deutschen Roten Kreuz und beim Karnevalsverein.

Die Arbeit als Architektin vermisst sie zuweilen, das Mitschaffen an einem Ding, das dann in der Öffentlichkeit steht. "Manchmal würde ich gern am Schreibtisch sitzen und etwas entwerfen. In der Politik arbeitet man oft, ohne dass etwas herauskommt." Aber immerhin kann man etwas für andere Menschen machen.

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