Gastkommentare : Mini-AKWs auch für Deutschland? Ein Pro und Contra
Wären Mini-Atomkraftwerke bei der Energieversorgung auch für Deutschland eine Alternative? Daniel Wetzel und Michael Bauchmüller mit einem Pro und Contra.
Pro
Angesichts des Energiebedarfs der Bundesrepublik wären alternative Stromquellen wie Mini-AKWs nötig
Die Elektrifizierung des Landes allein auf Basis von Wind- und Solarstrom ist eine Schimäre. Will Deutschland nicht völlig von Importen abhängig werden, sind neue Technologien wie Small Modular Reaktors (SMR) unverzichtbar. Denn der jährliche Energiebedarf der Bundesrepublik beträgt zurzeit 10.490 Petajoule. Die gilt es laut Gesetz in 19 Jahren zu dekarbonisieren. Doch die Solarenergie lieferte 2025 nur 363 Petajoule ab. Die aus einem völlig überzogenen Bundeshaushalt mit jährlich zehn Milliarden Euro subventionierte Photovoltaik deckt derzeit kaum 3,5 Prozent des Bedarfs, fällt aber jede Nacht komplett und im Winter weitgehend aus. Windstrom lieferte 481 Petajoule, also nur 4,6 Prozent.
Der geringe Beitrag der Erneuerbaren wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, weil Medien stets nur den kleinen, lediglich ein Fünftel des Bedarfs ausmachenden Stromsektor betrachten. Alles hängt davon ab, ob sich der Primärenergiebedarf durch energieeffizientere E-Autos, Wärmepumpen und Industrieprozesse halbieren lässt.
Gegen den Erfolg spricht, dass all diese Technologien derzeit staatlich gefördert werden müssen von einem Staat, der das Geld dafür eigentlich nicht mehr hat. Alternative Stromquellen wie Mini-AKW wären nötig - doch kommen werden sie nicht. Sie müssen zwar nicht subventioniert, aber durch Staatsdarlehen vorfinanziert werden. Privates Geld steht nicht zur Verfügung, weil wegen ständiger Markteingriffe grüner Energiepolitik ein hohes regulatorisches Risiko für Investoren entstanden ist, das auch nicht mehr weggeht.
In 15 oder 20 Jahren könnte das anders sein, wenn die Idee einer billigen SMR-Produktion am Fließband im Ausland umgesetzt wurde und zum Beispiel Polen wie angekündigt 50 davon gebaut hat.
Contra
Mini-AKW sind ein teurer Irrweg und keine realistische Option
Sie müssen niedlich sein, diese "Mini-Akws". Fast ein bisschen wie der Modellbaukasten, den einst Loriots Opa Hoppenstedt seinem Enkel zu Weihnachten schenken wollte. Aber so ist es nicht: Sie sind nicht niedlich, sie sind nicht günstig, sie sind nicht ungefährlich, sie sind keine realistische Option. Sie sind ein teurer Irrweg, der nur harmlos "Mini" heißt und irgendwie fortschrittlich klingt. Sie sind ein Potemkin'sches Dorf.
Das beginnt damit, dass es diese kleinen, modularen Reaktoren bisher vor allem auf dem Papier gibt. Wo sie schon errichtet wurden, etwa auf dem russischen Kraftwerksschiff "Akademik Lomonossow", handelt es sich um Miniaturausgaben herkömmlicher Druck- oder Siedewasserreaktoren. Diese Technik ist also keineswegs neu - sie ließe sich nur leichter errichten, wenn sich Module dafür in Serie fertigen ließen. Aus diesen Modulen ließen sich beliebig große Kraftwerke zusammenstellen. Der Beweis, dass viele Mini-Reaktoren günstiger wären als ein großer, steht noch aus. Einen Bauplatz in Deutschland dafür zu finden, angesichts aller nuklearen Ängste und Vorbehalte, diesen Versuch hat auch noch keiner unternommen. Ein Regelwerk dafür fehlt auch noch.
Und selbst wenn es die Kraftwerke gäbe, das nötige Regelwerk und einen Bauplatz - dann müssten sie immer noch finanziert werden. Bis sich diese Frage überhaupt stellt, werden noch Jahre, eher Jahrzehnte vergehen. Jahrzehnte, in denen sich ein anderer Pfad durchsetzen kann: erneuerbare Energien. Sollte jemals ein kleiner, modularer Reaktor serienreif werden, dann trifft er in Deutschland auf ein digital vernetztes System im Wesentlichen aus Wind- und Sonnenenergie, das ebenfalls klimafreundlich Strom erzeugen kann - aber viel günstiger. Ohne Staatsgeld werden Mini-Akws weder entwickelt noch jemals gebaut werden. Staatsgeld, für das sich bessere Verwendungen finden werden.
Der Bundestag debattiert vor dem Hintergrund der Aussagen von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen beim Atomenergie-Gipfel zur "Renaissance der Kernenergie".
In "Die Milliarden-Lobby" analysieren Susanne Götze und Annika Joeres, wer die deutsche Abhängigkeit von Öl und Gas zementiert und die Energiewende ausbremst.
Bundestag beschließt vereinfachte Genehmigungsverfahren nach dem Immissionsschutz- und Wasserrecht. Die Opposition kritisiert "Schleifung" von Umweltschutzstandards.