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Sparpläne beim Staat : Bundestag verabschiedet Altersvorsorgereform

Das Riestern ist bald vorbei, jetzt kommt das Vorsorgesparen auch mit Aktien und ETFs. Der Staat will dabei mit einem eigenem Angebot ins Rennen gehen.

27.03.2026
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3 Min

Einige ältere Bürger werden sich vermutlich noch gut erinnern: Anlegen und Sparen beim Staat war möglich und beliebt. Bei der "Bundesschuldenverwaltung" in Bad Homburg (Hessen) bestanden um die Jahrtausendwende 2,3 Millionen Konten von Bundesbürgern, die dort direkt und gebührenfrei in deutsche Staatspapiere (Bundesschatzbriefe, Laufzeiten sechs bis sieben Jahre) investiert hatten. 50 bis 60 Milliarden Euro sollen dort angelegt gewesen sein. 

Anfang der 1980er Jahre gab es bis zu zehn Prozent Zinsen; die Rendite fiel selten unter fünf Prozent. Die Finanzkrise mit der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank ließ das jahrzehntelange Erfolgsmodell untergehen. Zuletzt gab es weniger als ein Prozent Zinsen; 2012 wurde die Ausgabe der Schatzbriefe gestoppt, die Konten abgewickelt.

Altersvorsorgereform ermächtigt zur Schaffung eines öffentlichen Anbieters

Doch das Sparen fürs Alter beim Staat soll bald wieder möglich werden. Der Bundestag stimmte am Freitag der Reform der privaten Altersvorsorge den Stimmen von CDU/CSU und SPD gegen die Stimmen der Linken bei Enthaltungen von AfD und Grünen zu. 

Neben den bekannten Playern auf dem Finanzmarkt wie Banken und Versicherungen, die mit neuen Angeboten das zu teure und renditeschwache Riester-Sparen ablösen sollen, kommt damit ein mächtiger Spieler aufs Feld: Mit dem Gesetz wird die Regierung "ermächtigt, ohne Zustimmung des Bundesrates eine Rechtsverordnung zur Umsetzung eines durch einen öffentlichen Träger angebotenen Standarddepot-Vertrags zu erlassen".

Foto: picture alliance / photothek.de

Anlegen per App beim Staat: Durch die Reform bei der Altersvorsorge könnte das ab 2027 möglich werden.

Das heißt: Wer ein Altersvorsorgedepot einrichten und dort mit Anlage in Aktien, Fonds und Exchange Traded Funds (ETF) fürs Alter sparen und dafür Prämien bekommen will, kann dies vermutlich ab 2027 bei einer staatlichen Einrichtung tun (und natürlich auch bei einem Finanzinstitut). Eventuell käme für die Depots beim Staat die Finanzagentur des Bundes in Betracht, in die die frühere Bundesschuldenverwaltung aufgegangen war. 

Für Verwaltung der Wertpapiere könnte der Kenfo (Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung) in Frage kommen, der die von der Atomindustrie gezahlten 24 Milliarden Euro für die Lagerung von atomarem Abfall weltweit in Aktien, anderen Wertpapieren und Beteiligungen anlegt.

Sparer mit Kindern können mit einer Zulage bis zu 300 Euro rechnen

Die Kosten des "renditeorientierten Altersvorsorgedepots" ohne Garantien dürfen jetzt maximal ein Prozent statt der erst geplanten 1,5 Prozent betragen. Die Erträge sind bis zur Auszahlung im Rentenalter steuerfrei. Umschichten von Wertpapieren soll steuerunschädlich möglich sein. Angeboten werden sollen aber auch Garantieprodukte, bei denen Sparer zwischen 80 oder 100 Prozent Kapitalgarantie bei der Auszahlung wählen können. Für Sparer gibt es bei einer Einzahlung von 1.800 Euro im Jahr die maximale Grundzulage von 540 Euro. Sparer mit Kindern können dazu mit einer Zulage bis zu 300 Euro rechnen. Von der Regelung profitieren besonders Eltern mit geringen bis mittleren Eigenbeiträgen. Auch Selbstständige sollen das Vorsorgesparen nutzen können, was zunächst nicht vorgesehen war.

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Michael Thews (SPD) nannte das neue öffentlich verwaltete Standarddepot einen "historischen Meilenstein". Es werde ein Benchmark sein, an dem sich alle anderen Anbieter orientieren müssten, insbesondere bei den Kosten.

Christian Douglas (AfD) begrüßte die erhöhte Kinderzulage und den neu geschaffenen Zugang für Selbstständige, nannte aber den Kostendeckel von einem Prozent immer noch zu hoch. Douglas kritisierte das staatliche Angebot wegen drohender Interessenkonflikte. Es bestehe die Gefahr, dass der Fonds bei der nächsten Finanzkrise wie damals in Griechenland in Anleihen von Pleitestaaten investieren werde.

Mit Anlage in Aktien über 50 Jahre lang 8,6 Prozent Rendite im Jahr bekommen

Riester habe wegen zu komplexer Förderung, zu hoher Kosten und einer viel zu niedrigen Rendite nicht funktioniert, erinnerte Fritz Güntzler (CDU). Jetzt werde es ein effizientes Angebot geben mit der Möglichkeit der Beteiligung am Kapitalmarkt. Der deutsche Aktienindex DAX habe über 50 Jahre 8,6 Prozent jährliche Rendite erzielt, sagte Güntzler.

Stefan Schmidt (Grüne) lobte das öffentliche Standarddepot. Das sei eine langjährige Forderung der Grünen gewesen. Insgesamt bleibe aber das unübersichtliche Produktwirrwarr bestehen, und es würden nicht alle Menschen erreicht. Dafür müsse ein automatischer Zugang zum Depot für alle wie in anderen Ländern gewählt werden.

Für Sarah Vollath (Linke) ist die private Vorsorge gescheitert. Mit der jetzigen Reform würden Versicherungsgesellschaften weiter abkassieren, "und jetzt können sich auch noch die Fondsgesellschaften freuen". Der einzige Weg für eine gute Absicherung für alle sei die gesetzliche Rente für alle.

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