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Weniger Zölle : Wirtschaft frohlockt über EU-Mercosur-Abkommen

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben den Weg für das Mercosur-Abkommen freigemacht. Nun muss das EU-Parlament grünes Licht für das Interimsabkommen geben.

15.01.2026
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2 Min

Freude in der deutschen Wirtschaft: Europas Staats- und Regierungschefs haben den Weg freigemacht für das neue Freihandelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. 

Mercosur-Abkommen soll wertvolle Impulse für Wirtschaft und Arbeitsplätze setzen

Die neue Freihandelszone werde "einen Markt von mehr als 700 Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern schaffen, eine der größten Handelszonen weltweit", zeigt sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erfreut und erklärte: "Mit dem Freihandelsabkommen kann die EU die Globalisierung aktiv nach eigenen Vorstellungen mitgestalten." Gerade in Krisenzeiten bringe das Abkommen wertvolle Impulse für Wirtschaft und Arbeitsplätze.

Foto: picture alliance/dpa

Ein florierender Export ist für die deutsche Wirtschaft und den Wohlstand im Land entscheidend. Das sagt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und fordert eine schnelle Ratifizierung des Mercosur-Abkommens durch die EU und Mitgliedstaaten.

Doch bevor es in Kraft treten kann, sind die Parlamentarier gefragt. Das EU-Parlament muss zunächst grünes Licht für das sogenannte Interimsabkommen geben. Mit diesem sollen die Zölle zwischen den beiden Kontinenten sinken und der Zugang von Unternehmen zum jeweils anderen Markt leichter werden. Es bleibt in Kraft, bis Teil zwei der neuen Freihandelszone in Kraft ist, das umfassendere Partnerschaftsabkommen. Dieses muss aber nicht nur vom Europäischen Parlament, sondern auch von den nationalen Parlamenten der Mitgliedsstaaten ratifiziert werden. 

Aus Sicht des BDI "müssen die Mitgliedsstaaten alles daransetzen, dass die Ratifizierung zügig gelingt". Denn: "Ohne offene Märkte im Ausland kann die deutsche Wirtschaft nicht bestehen. Wie in kaum einem anderen Land ist der Wohlstand in Deutschland vom regelbasierten Handel abhängig."

Bauern protestieren gegen das Freihandelsabkommen

Auch die Wissenschaft unterstützt das Abkommen überwiegend. Achim Wambach, Präsident des ZEW - Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, erklärte, es könne "Europas Unternehmen neue Absatzchancen eröffnen, Lieferketten breiter aufstellen und Europas wirtschaftliches Gewicht in einer geopolitisch fragmentierten Welt erhöhen". Europa beweise sich damit als ein verlässlicher Handelspartner: "Anders als in den USA oder China, wo handelspolitische Maßnahmen auch aus politischen Motiven kurzfristig verhängt werden können, sind willkürliche Eingriffe in der EU kaum möglich. Rechtsstaatlichkeit und regelgebundene Verfahren sorgen für Berechenbarkeit für Unternehmen und Partnerländer."

Allerdings unterstützt nicht die gesamte Wirtschaft das Abkommen. In der Landwirtschaft, die für 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in der EU steht, gibt es große Widerstände. Unter anderem in Frankreich und Irland protestierten in der vergangenen Woche Bauern gegen den EU-Mercosur-Vertrag.

Vonseiten des deutschen Bauernverbandes hieß es: "Dieses Abkommen hat zweifellos Bedeutung für die deutsche Wirtschaft, geht aber in dieser Form zu Lasten der Landwirtschaft. Damit würden wir zukünftig Lebensmittel importieren, die mit deutlich niedrigeren Tierwohl-, Umwelt- und Sozialstandards erzeugt wurden." Diese seien in Deutschland längst überholt.

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