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Holocaust-Gedenktag : Tova Friedman kämpft mit Bildung gegen den Hass

In der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus am 28. Januar im Bundestag wird die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman über Erinnern als Auftrag sprechen.

21.01.2026
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4 Min

Was tun gegen Antisemitismus? Die Schoa-Überlebende Tova Friedman, die Rednerin in der diesjährigen Gedenkstunde des Deutschen Bundestages zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, beantwortet diese Frage vor allem mit “Bildung”. Die 87-Jährige berichtet in Vorträgen, Büchern sowie zusammen mit ihrem Enkel Aron Goodman in den sozialen Medien über ihre Geschichte. Auf ihrem YouTube- und TikTok-Kanal informieren sie über den Holocaust und stellen sich regelmäßig den Fragen junger Menschen.

Friedman ist eine der wenigen noch lebenden Zeit- und Augenzeugen des nationalsozialistischen Rassenwahns und Vernichtungswerks. Sie wird in der Gedenkstunde im Plenarsaal des Bundestags am 28. Januar ab 12:30 Uhr sprechen.

Die Zeitzeugin im Interview

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Am 7. September 1938 wurde sie in Gdingen/Gdynia nahe Danzig in Polen geboren. Im Alter von fünf Jahren wurde sie zusammen mit ihrer Mutter nach Auschwitz-Birkenau deportiert und überlebte das Vernichtungslager vermutlich aufgrund eines technischen Defekts der Gaskammern. Im Januar 1945 gelang es ihr, sich bei den Todesmärschen zwischen Leichen zu verstecken. Nach ihrer Befreiung musste sie feststellen, dass viele ihrer Angehörigen ermordet worden waren. Die Familie emigrierte im Jahr 1950 in die USA. Ab 1960 lebt sie für zehn Jahre in Israel, bevor sie wieder in die USA zurückkehrte. Dort arbeitete sie als Psychotherapeutin und Autorin. 

Klöckner: Zeitzeugen sollen so lange wie möglich zu Wort kommen

„Mir ist es wichtig, dass wir Zeitzeugen so lange wie möglich zu Wort kommen lassen und damit im Deutschen Bundestag Zeitzeugnisse für die Nachwelt schaffen. Frauen sind dabei bisher unterrepräsentiert, und mit Tova Friedman werden wir eine Gastrednerin haben, die für Mut und Versöhnung steht", sagte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), die die Begrüßungsansprache in der Gedenkstunde halten wird.

Mit einer modernen Ansprache und ihrer Stimme gebe sie den Ermordeten ein Gesicht und der Gesellschaft die Verantwortung zu erinnern, hinzuschauen, Menschlichkeit zu verteidigen und jüdisches Leben zu schützen. Dies zu erfüllen, sei in einer Zeit, in der sich auch in Deutschland offener Antisemitismus Bahn breche und sich Jüdinnen und Juden wieder die Frage stellten, ob sie bleiben oder gehen sollten, drängender denn je, so Klöckner. 

Diese Menschen traten in den vergangenen zehn Jahren an das Rednerpult

Der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog ins Leben gerufen. Seitdem findet jährlich am oder um den 27. Januar eine Gedenkstunde im Bundestag statt. Anlass ist die Erinnerung an die Befreiung der Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945.

Jugendbegegnung erforscht Schicksale von verfolgten Frauen und Kindern in der NS-Zeit

In der letzten Januar-Woche findet auch wieder eine Jugendbegegnung von 70 jungen Menschen im Bundestag statt. Diese setzt sich mit der Verfolgung von Frauen und Kindern im Nationalsozialismus und Aspekten wie der Traumatisierung von überlebenden Kindern nach der Befreiung oder Herausforderungen beim Thema digitale Erinnerungskultur, zum Beispiel in Social Media, auseinander. Im Paul-Löbe-Haus gibt eine Ausstellung Einblicke in vergessene Schicksale von Abgeordneten, die als Jüdinnen und Juden oder wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden.


Die diesjährige Gedenkstunde findet am Mittwoch, 28. Januar um 12.30 Uhr im Plenarsaal statt und wird live auf Deutsch und Englisch übertragen.

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