Krankenkassen finanziell unter Druck : Sparvorschläge für die Krankenversicherung erhitzen die Gemüter
In einer teils hitzigen Aussprache debattierte das Plenum über die prekäre Finanzlage in der Krankenversicherung und die beitragsfreie Familienversicherung.
In einer teilweise hitzigen Debatte haben Gesundheitspolitiker über die prekäre Finanzlage in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die beitragsfreie Familienversicherung als Bestandteil der GKV diskutiert. Anlass für die von der AfD-Fraktion beantragte Aktuelle Stunde am Donnerstag waren Berichte, wonach erwogen wird, die Mitversicherung für Ehepartner zu streichen und stattdessen einen Mindestbetrag von 225 Euro (200 Euro Krankenversicherung und 25 Pflegeversicherung) zu fordern.
Die Oppositionsfraktionen warfen der Koalition vor, mit ihren Reformplänen Familien mit geringem Einkommen zu schaden. Redner der Koalition wiesen die Vorhaltungen zurück und betonten, die Reformen in der Krankenversicherung würden mit Solidarität und Augenmaß angegangen. Im Übrigen lege die GKV-Finanzkommission erst kommende Woche ihre Vorschläge vor.
Grüne werfen der Regierung vor, das Vertrauen der Bürger zu verspielen
Martin Sichert (AfD) sagte, der Regierung sei offenbar nicht klar, was es für Familien bedeuten würden, wenn sie 225 Euro im Monat mehr für die Krankenversicherung zahlen sollen. Die GKV-Finanzen ließen sich leicht stabilisieren, wenn versicherungsfremde Leistungen herausgenommen würden und unnötige Bürokratie entfiele.
Paula Piechotta (Grüne) warf der Bundesregierung vor, das Vertrauen der Bürger zu verspielen. Sie forderte, die stark steigenden Arzneimittelkosten in den Blick zu nehmen “Sie müssen an die Pharmaindustrie heran und nicht an die Geringverdiener.”
„Die beitragsfreie Mitversicherung ist kein Detail am Rand, sie ist ein zentrales Element unseres solidarischen Systems.“
Vertreter der Koalition hielten der AfD eine unseriöse Panikmache vor. Simone Borchardt (CDU) betonte, Politik aus der Presse und auf Basis von Empörung sei keine gute Grundlage für verantwortungsvolle Entscheidungen. Sie versicherte: "Wir wollen an die Fehlanreize heran und nicht an die grundlegende solidarische Familienversicherung." Christos Pantazis (SPD) warf der AfD vor, gezielt Verunsicherung bei Millionen Familien zu schüren. Er stellte klar: "Die beitragsfreie Mitversicherung ist kein Detail am Rand, sie ist ein zentrales Element unseres solidarischen Systems."
Ates Gürpinar (Linke) warnte vor einer Überforderung von Familien und forderte mehr Gerechtigkeit bei den Beiträgen zur GKV. Das Problem sei die Beitragsbemessungsgrenze, die abgeschafft werden müsse. Gürpinar machte eine einfache Rechnung auf: “Wer viel hat, muss viel beitragen, wer wenig hat, wenig, und wer nichts hat, muss nichts beitragen.”
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