Ranghohe Offiziere berichten der Corona-Enquete : So gefordert war die Bundeswehr in der Corona-Krise
Während der Corona-Krise musste oft improvisiert werden – auch vonseiten der Bundeswehr. Das hat in vielen Fällen besser funktioniert als befürchtet.
Die Corona-Pandemie war in vielerlei Hinsicht eine sehr kritische Ausnahmelage. Das gilt auch für die Bundeswehr, denn etliche Soldaten wurden damals auf dem Höhepunkt der Krise eingesetzt, um die Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung und Unterbrechung von Infektionsketten zu unterstützen. Soldaten kamen auch in Testzentren zum Einsatz, in Altenheimen und bei der Impflogistik.
General: Gesundheitskrisen sind auch Krisen der kritischen Infrastruktur
Die Rolle der Bundeswehr während der Pandemie war am Donnerstag Thema der Corona-Enquete-Kommission. Dazu waren ranghohe Offiziere geladen, die von ihren Erfahrungen berichten konnten, darunter der Drei-Sterne-General Ralf Hoffmann.
Während der Corona-Pandemie wurden Soldaten in Gesundheitsämtern bei der Kontaktnachverfolgung Infizierter eingesetzt.
"Unser Gesundheitssystem ist mehr auf Effizienz abgestellt und weniger auf Resilienz und Durchhaltefähigkeit", sagte Hoffmann, als Generaloberstabsarzt Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdiensts der Bundeswehr. Mit Blick auf Energie, IT und Versorgung gab er zu bedenken: "Wenn ein System ausfällt, hat dies Folgen auch für andere." So gesehen seien Gesundheitskrisen auch Krisen der kritischen Infrastruktur. Sein Fazit zur Pandemie: "Die Zusammenarbeit in der Corona-Krise hat weitgehend gut funktioniert, war aber zu oft ad hoc."
Während Corona leistete die Truppe 12.000 Amtshilfemaßnahmen in zweieinhalb Jahren
Über das Management auf höchster Ebene sagte Hoffmann, Krisenpolitik sei vor allem Ressortpolitik. "Dies zentraler zu gestalten, war unsere Aufgabe", berichtete er über den Krisenstab der Bundesregierung, dem er angehörte. Man habe Verknüpfungen zwischen den Ressorts hergestellt und d
„Die digitale Infrastruktur ist Teil der gesellschaftlichen Resilienz.“
Oberst i.G. Armin Schaus vom Operativen Führungskommando der Bundeswehr lenkte den Blick auf das konkrete Wirken der Soldatinnen und Soldaten während der Pandemie und erläuterte den drastischen Unterschied zwischen normalen Jahren und Corona-Krisenjahren. "Im Jahr leisten wir im Schnitt 200 Amtshilfemaßnahmen", sagte er. "Bei Corona waren es in zweieinhalb Jahren 12.000."
Experte: Gesellschaften müssen sich auf Veränderungen einstellen
Der Politologe und Verwaltungswissenschaftler Stephan Kohn plädierte dafür, den Blick zu weiten und warb für einen Fokus auf die Gesamtschäden der Pandemie. Eine gesellschaftliche Gefahrenlage müsse sorgfältig ermittelt werden, dies habe aber in der Pandemie nicht stattgefunden. “Man kann nicht beliebig Maßnahmen ergreifen, sondern muss sie ins Verhältnis setzen.”
Der Sachverständige Alexander Fekete gab zu bedenken, dass die Gesellschaften zunehmend abhängig werden von Strom und Versorgungsstrukturen. "Die digitale Infrastruktur ist Teil der gesellschaftlichen Resilienz", sagte der Professor für Risiko- und Krisenmanagement an der Technischen Hochschule Köln und fügte hinzu: "Es kann jederzeit passieren, dass diese Abhängigkeiten eine noch stärkere Rolle spielen." Resilienz bedeute überdies, nicht nur alles abzuwehren, sondern stehe auch für dynamische Veränderung. "Wir sollten der Bevölkerung mehr zumuten."
Stefan Schmalz, Professor für Arbeits- und Wirtschaftssoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, wies auf Probleme mit unterbezahlten Fachkräften im Gesundheitssystem und auf eine schlechte Kontinuität bei IT-Fachkräften hin. Er schlug sogenannte Bottom-Up-Strategien vor, etwa kommunale Rechenzentren. "Das kann lokal umgesetzt werden."
Ende Juni 2027 soll die Kommission einen Abschlussbericht vorlegen
Dirk Häger, Abteilungsleiter im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), sagte, die Reaktionen der Bundesbehörden auf die Pandemie seien "erstaunlich gut" gelaufen. Das habe damit zu tun, dass rechtzeitig bestimmte Geräte an die Mitarbeiter ausgegeben wurden, die sie dann im Lockdown daheim nutzen konnten.
Um künftig besser auf Gesundheitskrisen vorbereitet zu sein, arbeitet die Enquete-Kommission an der Frage, wie Risikobewertung, Früherkennung und Krisenbewältigung effektiver gestaltet werden können. Dabei sollen Erkenntnisse aus den Bereichen Gesundheitswesen, Wirtschaft, Bildung, Soziales, Politik, internationale Zusammenarbeit und öffentliche Kommunikation zusammengeführt werden, um strukturelle Verbesserungen anzustoßen. Bis Ende Juni 2027 soll die Kommission einen Abschlussbericht vorlegen.
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