150. Geburtstag von Konrad Adenauer : Großer Staatsmann mit "zupackender Zuversicht"
Der Bundestag erinnert an das Wirken Konrad Adenauers als Vorsitzender des Parlamentarischen Rates und als erster Bundeskanzler der Bundesrepublik.
Konrad Adenauer im Jahr 1966: Der erste Kanzler der Bundesrepublik wurde 1876 geboren.
Als Präsident des Parlamentarischen Rates trug er entscheidend zur Entstehung des Grundgesetzes 1949 bei. Als erster Bundeskanzler stellte er in seiner sich anschließenden Regierungszeit bis 1963 die entscheidenden Weichen für die Integration der Bundesrepublik in die westliche Staatengemeinschaft und den Erfolg der jungen Demokratie. In einer Vereinbarten Debatte erinnerte der Bundestag am Freitag an das politische Wirken des "Alten", wie Konrad Adenauer liebevoll vom Volksmund genannt wurde, der vor 150 Jahren am 5. Januar 1876 in Köln geboren wurde und im Alter von 91 Jahren am 19. April 1967 verstarb.
Geprägt von “bürgerlicher Gelassenheit” und tief verwurzelt im christlichen Glauben
Der Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn erinnerte in seiner Rede an die europäische Einigung, die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und die Aussöhnung mit Frankreich und Israel, die von Adenauer während seiner Kanzlerschaft vorangetrieben worden seien. "Wir wählen die Freiheit", laute der ikonische Ausspruch Adenauers, der für diese Politik stehe. Adenauer sei von einer "bürgerlichen Gelassenheit" geprägt und "tief im christlichen Glauben" verwurzelt gewesen. Deshalb habe er jede Form von politischen Extremismus bekämpft. Die "zupackende Zuversicht dieses großen Mannes" gelte es zu würdigen, sagte Spahn.
Der AfD-Abgeordnete Alexander Gauland bezeichnete Adenauer als einen "der wenigen großen Staatsmänner" in der deutschen Geschichte neben Otto von Bismarck, Gustav Stresemann, Willi Brandt und Helmut Kohl. Er habe eine nationale Interessenpolitik betrieben und gleichzeitig das "moralische Kapital", das Adolf Hitler völlig zerstört habe, wieder aufgebaut. Auch gegenüber der Sowjetunion habe Adenauer eine pragmatische und unideologische Politik betrieben, die 1955 zur Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen geführt habe.
Ein Demokrat und Vertreter einer wehrhaften Demokratie
Der SPD-Abgeordnete Martin Rabanus erinnerte daran, dass Adenauer als Oberbürgermeister von Köln 1933 die Hakenkreuzfahnen der Nationalsozialisten abhängen ließ. Die Erfahrung der NS-Diktatur habe ihn auch nach deren Ende geleitet. "Er war ein Demokrat, der gelernt hatte, was passiert, wenn Demokratie sich nicht schützt", sagte Rabanus. Adenauer sei deshalb ein Verfechter einer wehrhaften Demokratie gewesen und habe sich auch für die Möglichkeit von Parteiverboten ausgesprochen.
Auch Dietmar Bartsch (Die Linke) würdigte, dass Adenauer Hitler in Köln nicht den roten Teppich ausgerollt habe. Damit habe er "Haltung und Anstand" bewiesen. Zugleich aber habe er nach der Gründung der Bundesrepublik ehemalige NSDAP-Mitglieder wie Hans Globke als Kanzleramtschef in die Arbeit der Bundesregierung eingebunden. Der Ausspruch von Adenauer, man verschütte kein schmutziges Wasser, wenn man kein sauberes habe, sei falsch. Es dürfe nie wieder eine Zusammenarbeit mit Faschisten geben.
Toni Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen) erinnerte daran, dass sich die junge Bundesrepublik sehr schwer mit der Aufarbeitung der NS-Diktatur getan habe. Adenauer habe aber ohne Zweifel einen entscheidenden Beitrag zur Verankerung einer stabilen Demokratie und der sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik sowie zur europäischen Integration geleistet.
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