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Krisenregion Naher Osten : Iran und Israel gehören zu den Verlierern

Der Journalist Rainer Hermann analysiert in seinem neuesten Buch die Brennpunkte im Nahen Osten. Hart ins Gericht geht er mit der Regierung Nentanjahus.

13.03.2026
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3 Min

Seit über einhundert Jahren prägen Kriege, soziale und religiöse Revolutionen, Aufstände und Terror das Leben der Menschen im Nahen und Mittleren Osten. Ausgerechnet diese Weltgegend, die drei Weltreligionen hervorbrachte und vielen als "Heiliges Land" gilt, erschwert ein friedliches Miteinander wegen eines "fundamentalistischen Religionsverständnisses". 

Der Journalist Rainer Hermann sieht in seinem aktuellen Buch "Die Zerstörung des Nahen Osten" die Situation in der Region und das Agieren von US-Präsident Donald Trump als Beleg für die These des amerikanischen Politikwissenschaftlers Samuel P. Huntington, nach der sich die Hoffnung auf eine universelle Zivilisation mit westlichen Werten und Institutionen nicht erfüllen wird.

Foto: picture alliance / REUTERS

Seit Monaten kommt es zu weltweiten Protesten gegen das Mullah-Regime, wie hier vor der iranischen Botschaft in London.

Der exklusive Anspruch der biblischen Zionisten auf Palästina prallt auf das Existenzrecht der Palästinenser, die ihren eigenen Staat fordern. Nach der Machtübernahme 2006 in Gaza durch die Hamas, die das Existenzrecht Israels bis heute kategorisch verneint, bereitete die Terrororganisation jenen Angriff auf Israel systematisch vor, der am 7. Oktober 2023 brutale Wirklichkeit wurde. 

Die Hamas handelte dabei auch im Interesse der Islamischen Republik Iran, die von ihrem Atomprogramm ablenken wollte. Seitdem wurde der Iran von den USA und Israel wiederholt militärisch attackiert. Zudem wurde die pro-iranische, schiitische Hisbollah im Libanon, ebenso wie die Hamas Teil der ausgerufenen "Achse des Widerstandes", durch Israel militärisch weitestgehend besiegt.

Journalist Hermann lobt die neue Strategie der Golfstaaten

Als Korrespondent der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" berichtete Rainer Hermann viele Jahre aus der Türkei und der arabischen Welt. Er gehört zu den besten deutschen Kennern des Nahen und Mittleren Ostens. Dies zeigen auch seine bisherigen Bücher über die Türkei, die Golf-Region, Afghanistan und die politische Entwicklung in den arabischen Staaten. Mit seinen Voraussagen lag er oft richtig. Dies gilt vor allem für seine Analyse der neuen Strategie der Golfstaaten, die zu einer positiven Entwicklung der Megaregion führen könne.

In seinem neuen empfehlenswerten Buch betont Hermann, dass nicht mehr der Islam die arabische Welt zum Krieg aufrufe. "Die Araber haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt." Auch deshalb hätten sie die Hamas aufgefordert, die Waffen niederzulegen. Der Journalist analysiert die Lage im "alten Arabien", insbesondere in Syrien, und betont die Rolle der Golfstaaten für die Schaffung eines dauerhaften Friedens in der Region. 

Geradezu schwärmerische Worte findet er für die pragmatische Politik des umstrittenen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, Hermann sieht in ihm den "Modernisierer", der eine auf regionale Prosperität ausgerichtete Innen- und Sicherheitspolitik betreibe.


Rainer Hermann:
Die Zerstörung des Nahen Ostens.
Trump, Netanjahu, die Hamas und die Neuordnung des Schreckens.
Klett-Cotta,
Stuttgart 2026;
256 S., 18,00 €


Detailliert beschreibt Hermann die Lage im "Schlüsselstaat Syrien" nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes. Dem Anführer der syrischen Al Nusra-Front Ahmed al-Scharaa bescheinigt Hermann eine erstaunliche "Metamorphose vom Dschihadistenführer zu einem pragmatischen Machtpolitiker". Er sei zwar "kein liberaler Demokrat", aber die Lage in Syrien sei so stabil wie seit dem Arabischen Frühling 2011 nicht mehr.

Kritik an einer expansionistischen Politik Netanjahus

Die fundamentalistische Regierung in Teheran wiederum kann die Ziele der Islamischen Revolution ihrem Volk selbst mit brutalen Repressionen kaum noch aufzwingen. Neben dem Mullah-Regime zählt Hermann, der sein Buch vor den aktuellen Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran vollendete, die israelische Regierung von Benjamin Netanjahu trotz der militärischen Erfolge zu den Verlierern in der Region. Israel gebe sich nicht mit dem Status quo zufrieden, "Netanjahu verfolgt eine expansionistische und revisionistische Politik", stellt Hermann fest. 

Hintergrund

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Die israelische Demokratie der Gründergeneration werde von seiner Regierung "demontiert", sie flirte sogar mit den rechtspopulistischen Parteien Europas. Auch wenn Israel "den destruktiven und zerstörerischen Einfluss Irans zurückgedrängt hat", drohten jetzt neue Gefahren.

Israel selbst bedrohe den Frieden, indem es keine Bereitschaft zeige, den Palästina-Konflikt friedlich zu lösen. Mit dem Luftangriff auf hochrangige Hamas-Vertreter in der katarischen Hauptstadt Doha 2025 habe sich Israel zudem international weiter isoliert und wegen seines Vorgehens in Gaza deutliche Kritik von Seiten der EU und ihrer Mitglieder eingehandelt.

Eine Leerstelle schränkt die Qualität des Buches jedoch ein. So zitiert Hermann ausführlich jene Stimmen aus den Vereinten Nationen und aus Israel selbst, die die israelische Kriegsführung in Gaza als einen Genozid verurteilen. Hermann selbst hält sich mit einer Bewertung zurück, benennt aber keine Stimmen und Argumente, die den Vorwurf eines Völkermordes zurückweisen. Das ist zumindest fragwürdig.

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