Glosse : Politik am Ball
Wer wird Fußball-Weltmeister 2026? Frankreich schwächelt, Spanien hat eine offene Flanke und Deutschland sucht noch das Leder - der Taktik-Check unserer Redaktion.
Wer wird Fußball-Weltmeister 2026? Das ist in den Tippspielen im Kreis der Kolleginnen und Kollegen eine heiß diskutierte Frage. Als kleine Hilfsstellung hier die Prognose aus Ihrer Politik-Redaktion:
Da wäre zunächst die Mannschaft aus Frankreich als einer der Top-Favoriten. Der einst alles überstrahlende Ballkünstler und Libero Emmanuel Macron hat nach neun Jahren erkennbar an Leichtigkeit und Schwung verloren, in Paris machen Gerüchte über seine bevorstehende Auswechslung die Runde, zuletzt gab es Ohrfeigen der Spielerfrau für den Anführer der Équipe im Mannschaftsflieger. Unsere Einschätzung: Stark in der Defensive. Adieu „Le Bleus“.
Seit dem 11. Juni läuft die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. 48 Nationen spielen bei dem Turnier um den Titel.
Nebst Frankreich wird Spanien hoch für den Titel gehandelt. Bei genauerem Blick auf die Mannschaftsleistung von Team-Chef Pedro Sanchez aus Madrid zeigt sich: Stark auf dem linken Flügel, doch die rechte Seite von „La Furia Roja“ ist quasi unbesetzt, hier rollen die Steppenläufer durch die Hochebenen der Mancha und laden den Gegner zu Vorstößen ein. Wir raten fürs Tippspiel dringend ab.
Argentiniens Strategie könnte sich als Eigentor entpuppen
Und wie steht es um Titelverteidiger Argentinien? Das Team um den cholerischen Stürmerstar Javier Milei („Kettensäge“) hat in den vergangen zweieinhalb Jahren die Spielphilosophie vom Kopf auf die Füße gestellt. Statt auf die seit Maradona bewährte „Faust Gottes“, setzt man in der Vorwärtsbewegung auf die „unsichtbare Hand des Marktes“. Diese Strategie könnte sich aber als Eigentor entpuppen. Im einheimischen Publikum sorgt Löwenmähne Milei zunehmend für Verdruss („Nervensäge“).
Bliebe noch: England. Mittelfeld-Stratege Keir Starmer fremdelt erkennbar mit seiner Rolle als Taktgeber über links, rennt viel zu oft dem Spielgeschehen hinterher, statt eigene Akzente zu setzen. Dem Vernehmen nach reklamieren einige Mitspieler bereits Starmers Kapitänsbinde für sich selbst.
Deutschlands Kapitän Merz muss Nerven zeigen
Und Deutschland? In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Glas weder halb voll, noch halb leer, es gibt noch nicht einmal ein Glas. Die Mannschaft um Torwart Lars Klingbeil und Innenverteidiger Alexander Dobrindt ist seit einem Jahr zäh mit dem Spielaufbau beschäftigt, Kapitän Friedrich Merz steht dünnheutig im Abseits und wartet auf Vorlagen.
Gerade ließ er durchblicken, dass er bei Teilen der Mannschaft allmählich „mit der Geduld am Ende“ ist. Wie bei jedem Turnier gilt aber auch dieses Mal: Nerven zeigen. Oder, wie es der fränkische Fußballfeingeist Lothar Matthäus sagen würde: „Wir dürfen den Sand nicht in den Kopf stecken.“
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