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Auf Stippvisite beim Wachbataillon Berlin : Die Bundeswehr am roten Teppich

In der Berliner Julius-Leber-Kaserne trainiert das Wachbataillon für Staatsempfänge - und die Verteidigung des Regierungsviertels im militärischen Ernstfall.

29.08.2025
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3 Min

Ihre Aufgabe ist der protokollarische Ehrendienst bei Staatsempfängen und bei Zapfenstreichen. Aber wenn die Bundesregierung und ihre Einrichtungen im Krisenfall geschützt werden müssen, haben sie einen Verteidigungsauftrag: die Soldatinnen und Soldaten vom Wachbataillon Berlin. Beim Bundesministerium der Verteidigung angesiedelt, sind sie Deutschlands militärisches Aushängeschild für die wehrhafte Demokratie. Die Riege prominenter Staatsgäste, die sie empfangen und geehrt haben, ist lang. Sie reicht von Charles III., König des Vereinigten Königreichs, bis zum US-Präsidenten Barack Obama.

Die Anfänge des Wachbataillons reichen zurück ins Jahr 1957. Damals war es in Siegburg bei Bonn stationiert. Seit 2014 sind alle rund 1.100 Soldaten in Berlin. Damit ist das Bataillon das einzige der Bundeswehr direkt in der Hauptstadt: Es ist in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin-Wedding stationiert, wo unter anderem auch das Stabsmusikkorps der Bundeswehr untergebracht ist.

Foto: Kai Kupferschmitt

Wachbataillon im Einsatz: Charles III. (2. v. l.), König des Vereinigten Königreichs, wurde in Berlin mit militärischen Ehren und im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier offiziell begrüßt.

Presseoffizier Niels-Hendrik Matthes (32) führt durch die Kasernenanlage und erzählt: "Die Sportanlagen sind sehr gut ausgestattet. Wir haben eine eigene Kindertagesstätte. Außerdem fünf Truppenärzte und zwei Zahnärzte. Auch das Kantinenangebot ist vielseitig." Was zuerst noch nicht besonders außergewöhnlich klingt, ändert sich ein paar Schritte weiter schnell. "Hier ist der berüchtigte Hindernisparcours", sagt Matthes und zeigt auf einen mehrere Hundert Meter langen Parcours. Hier trainieren die Soldaten. Unter anderem müssen sie unter Drahtseilen kriechen, über eine Grube auf Holzbalken balancieren und über eine zwei Meter hohe Wand klettern - selbstverständlich ohne Tritthilfen.

Am Anfang der Grundausbildung absolvieren die Rekruten den Parcours zunächst nur mit Uniform. Später mit immer mehr Ausrüstung wie einer Waffe und einem Rucksack. "In guten Zeiten habe ich den Parcours mit Ausrüstung in vier Minuten absolviert", sagt Matthes und gesteht ein, dass er für viele eine große Herausforderung ist. Vor allem die Zwei-Meter-Wand mache einigen Soldaten zu schaffen.

Das Wachbataillon Berlin repräsentiert Deutschland nach außen

Im Fokus stehen beim Wachbataillon Berlin Trainingseinheiten für protokollarische Empfänge und für eine mögliche Verteidigung des Regierungsviertels: "Es geht darum, eine Einheit zu bilden", sagt Matthes. Auf einer Straße wird gleichzeitig den Rekruten im ersten Monat der Grundausbildung beigebracht, wie sie richtig stehen und marschieren.

Die noch lockere Körperhaltung der Anfänger ist bei einer anderen Einheit ein paar Straßenecken weiter schon nicht mehr zu sehen. An einem roten Teppich üben sie gerade einen Staatsempfang. Die Haltung und das Marschieren wirken einheitlich. Damit bei der Begrüßung auch alles funktioniert, darf ein Soldat bei der Übung den Staatsgast spielen und zwischen den Kameraden über den roten Teppich laufen. Ein bisschen Glamour im Kasernenalltag.


„Natürlich wäre die Welt schöner ohne Krieg und ohne Konflikte. Die wird es vermutlich aber immer geben.“
Louis, freiwilliger Wehrdienstleistender

Bei Empfängen wird den Staatsgästen das ungeladene Gewehr präsentiert, um einerseits zu zeigen, dass sie in friedlichen Absichten begrüßt werden. Andererseits soll es die Wehrhaftigkeit Deutschlands repräsentieren.

Dienstantritt ist wochentags um 6:45 Uhr

Einer, der für die Staatsempfänge übt, ist Louis. Der 20-Jährige ist seit einem Jahr bei der Bundeswehr und seit drei Monaten beim Wachbataillon Berlin. Nach dem Fachabitur entschied er sich für einen freiwilligen Wehrdienst und hat sich dann für die nächsten 17 Jahre verpflichtet, um Feldwebelanwärter zu werden. So kann er zum Beispiel Mannschaften führen.

Das Bataillon im Einsatz

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Eigentlich wollte er soziale Arbeit studieren, findet es aber wichtig, dass man "auch mal einen Dienst für sein Land absolviert. Sei es ein Engagement bei der Bundeswehr oder irgendwo anders". Die aktuelle Sicherheitslage in Europa hat zu seiner Haltung beigetragen. "Natürlich wäre die Welt schöner ohne Krieg und ohne Konflikte. Die wird es vermutlich aber immer geben." Daher sei es für ihn "zwingend nötig, dass es uns gibt und wir unseren Job machen". Beim Wachbataillon Berlin gefällt es ihm, "auch mal einen Staatsempfang zu machen". Darüber hinaus sorgen Dienste in der Natur für eine gute Abwechslung, so Louis.

Dienstantritt ist wochentags jeweils um 6:45 Uhr. Auf dem Tagesprogramm stehen körperliche sowie theoretische Übungen. Manchmal sei er für längere Zeit weg, was nicht einfach sei. Doch privat seien alle "stolz auf mich, dass ich es mache", sagt Louis.

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