Neue Geldscheine geplant : So verteidigt die EZB Scheine und Münzen
Neue Banknoten, weniger Nutzung: Eurolands Notenbank und die EU-Kommission arbeiten daran, trotz sinkender Nachfrage den Zugang zu Bargeld flächendeckend zu sichern.
Über das künftige Design der Geldscheine der Eurozone sollen die Bürger im Laufe dieses Jahres abstimmen. Die Europäische Zentralbank (EZB) will der Öffentlichkeit eine Vorauswahl präsentieren, behält sich allerdings die endgültige Entscheidung vor. Die Motive stehen immerhin schon fest: Auf dem Zehn-Euro-Schein soll der Komponist Ludwig van Beethoven zu sehen sein, auf dem 100-Euro-Schein das Allround-Genie Leonardo da Vinci. EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone betont: "Wir entwickeln neue Geldscheine, weil wir jetzt und in Zukunft voll hinter dem Bargeld stehen."
Im Supermarkt kann man nicht nur mit Bargeld zahlen, sondern es dort auch abheben. Cash-back heißt dieses Verfahren.
Der Italiener sagt das aus gutem Grund. Die EZB treibt das Projekt des digitalen Euro mit Nachdruck voran - möchte aber nicht den Eindruck erwecken, das Bargeld abschaffen zu wollen. Auch die EU-Kommission möchte nicht in den Verdacht geraten, sich von Münzen und Geldscheine endgültig trennen zu wollen. Als die Behörde 2023 einen Gesetzesvorschlag zum digitalen Euro vorlegte, präsentierte sie parallel dazu auch einen Vorschlag für eine Bargeld-Verordnung. Die soll dafür sorgen, dass die Bürger der Eurozone auch in Zukunft Zugang zu Cash haben.
Nur noch 88 Prozent der Unternehmen akzeptieren Cash
Bargeld bleibt beliebt, auch wenn die Nachfrage nach digitalen Zahlungsdienstleistungen steigt. In der Eurozone sind mehr als 30 Milliarden Geldscheine im Umlauf, in einem Gesamtwert von mehr als 1,6 Billionen Euro. Das macht pro Einwohner annähernd 5.000 Euro aus. Zugleich nimmt die Akzeptanz von Bargeld bei Unternehmen ab: Nur noch 88 Prozent der Unternehmen akzeptieren es, ergab 2024 eine Umfrage der EZB. 2021 hatte der Anteil noch bei 96 Prozent gelegen. Unternehmen sehen Bargeld interessanterweise als kosteneffizienter, weil anders als bei Karten keine Gebühren anfallen.
Politisch brisant ist das Thema, weil Bargeld emotional aufgeladen ist. "Bargeld ist und bleibt gedruckte Freiheit", sagt der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. “Bürger brauchen eine echte Wahlfreiheit bei den verschiedenen Zahlungsmitteln.”
Zugang zu Bargeld auf einen Blick
📟📈 Laut Daten der EZB gibt es im Euroraum 120.000 Zweigstellen von Kreditinstituten und mehr als 260.000 Geldautomaten.
🛒💶 Beim Einkaufen im Supermarkt können sich Kunden an der Kasse Geld zu Lasten ihrer Girocard (oder anderer Debitkarten) auszahlen lassen.
💳💰 Cash-in-Shop: Hier kann man Bargeld im Ladengeschäft vom Konto abheben, ohne zugleich einen Wareneinkauf vorzunehmen.
Um Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu erschweren, hat die EU bereits 2024 eine Verordnung verabschiedet, die ab Mitte kommenden Jahres greift. Zwischen Unternehmen sind dann nur noch Barzahlungen bis zu einer Grenze von 10.000 Euro erlaubt. EU-Mitgliedsstaaten können die Grenze sogar noch niedriger ansetzen. In Frankreich und Spanien gilt eine Bargeldobergrenze von 1.000 Euro, in Italien von 5000 Euro.
Banken sollen Zugang zu Bargeld sichern
Das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedsstaaten müssen die Bargeldverordnung noch verabschieden. Die soll unter anderem dafür sorgen, dass EU-Bürger ausreichend Zugang zu Geldautomaten haben. Die EZB hält es für die Aufgabe kommerzieller Banken, diesen Zugang zu sichern. Um dies zu definieren, sind Indikatoren für die Dichte der Bankautomaten in Arbeit. Der zumutbare Abstand soll in dünn besiedelten Gegenden größer ausfallen.
Die EZB macht sich dafür stark, in der Verordnung ganz explizit auszubuchstabieren, dass Geschäfte und Unternehmen Bargeld annehmen müssen. Eigentlich ist das schon bisher der Fall, wie der Europäische Gerichtshof in Luxemburg in einem Urteil klargestellt hat. Die Fraktion der AfD im Bundestag hat im Dezember einen Antrag gestellt, die Pflicht zur Annahme von Bargeld in einem eigenen Gesetz in Deutschland festzuschreiben. Wichtiger ist die Durchsetzung bestehenden EU-Rechts. Die EZB fordert, dass die EU-Mitgliedsstaaten Strafen für Unternehmen vorsehen, wenn sie Bargeld nicht annehmen - und dass diese Strafen so abschreckend sind, dass Unternehmen gar nicht erst auf die Idee kommen, Bargeld zu verweigern.
Die Autorin ist freie Journalistin in Brüssel.
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