Alexander Jordan : Politik durch die Ingenieursbrille
Der CDU-Politiker aus Wolfsburg will helfen, die Automobilbranche zukunftsfest zu machen. Im Bundestag hat der Ingenieur weniger Ellenbogen vorgefunden als erwartet.
Wie es sich für einen Parlamentsneuling gehört, lernt Alexander Jordan ständig jemanden kennen. Führt Gespräche, knüpft Kontakte. Heute, an einem Montag um 17 Uhr in seinem Büro, ist es das vierte. In der Mittagszeit ist er in Berlin angekommen, von seinem Wahlkreis Helmstedt – Wolfsburg. „Das macht ungeheuer viel Spaß“, sagt er über das politische Speeddating und lächelt. Jordan, 44, ist ein neugieriger Typ. Das hilft beim Ankommen.
Alexander Jordan ist seit 2025 Abgeordneter im Deutschen Bundestag und seitdem Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sowie im Verkehrsausschuss.
Bevor er für die CDU in den Bundestag einzog, arbeitete Jordan 20 Jahre lang in der Automobilindustrie, „die Entwicklung eines Autos dauert in etwa so lange wie eine Legislatur, das zyklische Denken also kannte ich schon“. Der Diplomingenieur für Elektrotechnik und Verfahrenstechnik sieht indes einen großen Unterschied: „In der Industrie haben wir viel enger getaktete Meilensteine. Und da Geduld nicht zu meinen größten Stärken zählt, muss ich mich schon umstellen.“
Jordan war überrascht von den transparenten Strukturen im Parlament
Grundsätzlich wirkt er, als wäre ihm Nörgeln fremd. Eher scheinen ihn Herausforderungen zu reizen, „und immerhin reden wir über die Bundesrepublik Deutschland, das ist kein mittelständisches Unternehmen“. Da könne man eben nicht schnell einen Schalter umlegen, „die Dinge müssen sorgsam analysiert, bewertet und entschieden werden“. Da hört man dann doch den Ingenieur heraus. Nur eben einen, der sich vor ein dickes Brett setzt. Jordan schrieb seine Diplomarbeit bei Volkswagen, wechselte zu BMW ins Münchener Forschungs- und Innovationszentrum und kehrte als Wolfsburger Standortleiter des Automobilzulieferers Magna nach Niedersachsen zurück.
Der Bundestag überraschte ihn. Nicht nur, dass er immer noch staunend durch die Geschichte atmenden Flure schreitet. Sondern auch die Transparenz, auf die er gestoßen sei. „Die Strukturen sind sehr einsehbar, das gefällt mir“, sagt er. „Als Parlamentarier fühle ich mich ernst genommen.“ Die Fraktion? „Der Empfang war von Beginn an auf Augenhöhe.“ Die Exekutive: „Ich bin im Verkehrsausschuss, da hab ich den Bundesminister gleich am Telefon – oder er ruft schnell zurück.“ Das Kanzleramt: „Bei Gesprächen hört Friedrich Merz intensiv zu, er stellt viele Fragen.“ Und die SPD: „Mit meiner Berichterstattungskollegin habe ich mich sofort ausgetauscht, wir verstehen uns gut.“
„Ich bin schon eine Art Seismograph in meinem Wahlkreis, versuche Stimmungen und Themen zu erkennen.“
Man schicke sich Whatsapp-Nachrichten, halte sich gegenseitig auf dem Laufenden. „Ich hatte vorher insgesamt im Bundestag weniger Kollegialität erwartet. Wir alle agieren ja in einem Umfeld, in dem man stark unter Druck steht und viel arbeitet. Da hatte ich mir vorgestellt, dass die Ellenbogen mehr ausgefahren werden.“ Stattdessen: ein freundlicher Umgang.
Arbeit im Verkehrsausschuss: Der Niedersachse will die Autobranche zukunftssicher aufstellen
Vielleicht liegt es auch daran, dass Jordan selbst sich freundlich gibt. Mit allen redet, alle grüßt. Auch seinen christlichen Glauben verbirgt er nicht gerade, „das ist etwas, das mich trägt. Ich glaube nicht daran, dass ich alles aus mir selbst heraus machen kann.“ In Wolfsburg engagiert er sich mit seiner Familie in einer Freikirche. „Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn im Gottesdienst die Leute ganz dabei sind und sich nicht berieseln lassen.“ Er spricht von einer Haltung, die er in das Reichstagsgebäude transportieren will; Jordan macht auch mit beim Gebetsfrühstück im Bundestag.
„Der Wahlkampf war hitzig, die Stimmung zu Anfang der Koalition kühl – wir mussten uns zusammenfinden.“
Druck, viel Arbeit, Ernst – Jordan sieht sich schon ein Stück weit in einer Mission. Da ist sein Ziel, mitzumischen bei der Sicherung der Automobilbranche und ihrer Beschäftigten, die Zunft zukunftssicher zu machen. „Die Leute sollen wieder eine Perspektive haben. Deshalb habe ich kandidiert, immerhin verfüge ich über Erfahrungen auf diesem Gebiet, die ich einbringen kann“; in der Urwahl setzte er sich gegen einen anderen Kandidaten durch.
Und die zweite Aufgabe sieht Jordan im Erklären von Politik. „Ich bin schon eine Art Seismograph in meinem Wahlkreis, versuche Stimmungen und Themen zu erkennen.“ Die Zuversicht und die Zuverlässigkeit, die er im Regierungshandeln erfahre, wolle er im Wahlkreis ausstrahlen, „den Leuten darlegen, warum wir was machen. Das hat ja alles Sinn, was hier in Berlin unternommen wird.“
Jordan ist aufgewachsen in Berlin-Marzahn
Möglicherweise hatte Jordan eher wenig Eingewöhnungsschwierigkeiten, weil er in seinem Leben etwas herumgekommen ist. Aufgewachsen in Biesdorf, einem Ortsteil von Berlin-Marzahn, sah er von einem Einfamilienhausidyll aus, am Wuhlebecken im Schatten der Hochhäuser, Anfang der vorigen Neunziger Berlin wachsen. Mit zwölf Jahren zog er nach Schleswig-Holstein, weil seine Mutter dort eine Landarztpraxis übernahm. „Ich investiere halt Fleiß, und bisher kam am Ende des Tages immer etwas zurück.“ Es klingt zuweilen sehr einfach. Aber widersprechen mag man auch nicht.
Einfacher aber stellt sich Jordan die Arbeit in der Opposition vor. „Da kann man erstmal vieles fordern, das würde ich auch machen“, sagt er. Die Regierungsfraktionen dagegen würden einem Korrektiv der Realität unterliegen. Dies würden die Abgeordneten von CDU, CSU und SPD durchaus gemeinsam so sehen. „Der Wahlkampf war hitzig, die Stimmung zu Anfang der Koalition kühl – wir mussten uns zusammenfinden.“ Nun sei er mit einigen Genossen per du. Nur eines gefällt ihm im Bundestag weniger. „Im Plenarsaal versuche ich, mich nicht allzu sehr nach links zu setzen. Die Zwischenrufe der AfD ziehen mich runter. Die sind zu grob.“
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