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Hülya Düber : Aus dem Würzburger Rathaus in den Ausschussvorsitz

Erste Legislatur und gleich an der Spitze: Die CSU-Abgeordnete aus Unterfranken über Papierberge, Unterschiede zur Kommunalpolitik und wachsenden politischen Druck.

13.02.2026
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4 Min

Hätte man ihr vor fünf Jahren gesagt, sie würde mal im Bundestag sitzen, hätte Hülya Düber einen erstmal mit ihren großen Augen noch größer angeschaut. Aber Düber gehört zu jenen Quereinsteigern in der Politik, deren Weg derart folgerichtig wirkt, dass ihr das Ankommen im Parlament wirklich nicht schwerfiel. „Mir sind viele Dinge einfach geläufig gewesen“, sagt sie wie nebenbei.

Foto: DBT/ Dominik Butzmann/ photothek

Hülya Düber sitzt seit 2025 für die CSU im Bundestag und ist seitdem die kommissarische Vorsitzende des Petitionsausschusses. Sie ist auch Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales und im Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Draußen ziehen Krähen im Berliner Schneeweiß ihre Kreise. Hülya Düber sitzt in ihrem Büro im Berliner Paul-Löbe-Haus neben einer Deutschlandfahne, die ist so groß wie sie. 

Einen Katapultstart hatte Düber hinzulegen. Schon, dass sie den stellvertretenden Vorsitz im Petitionsausschuss von Beginn ihrer ersten Legislatur an übernehmen sollte, war ein Pfund; weil aber der AfD-Kandidat für den Vorsitz bei der Wahl nicht genügend Stimmen erhielt, leitet sie seitdem den Ausschuss kommissarisch. „Mit der Leitung von Gremien habe ich halt Erfahrung“, sagt Düber.

Die promovierte Juristin fiel den Christsozialen in Würzburg auf

15 Jahre arbeitete sie in der Kommunalverwaltung in Würzburg. War dort reingerutscht und im Lauf der Jahre mit immer höheren Aufgaben betraut worden. „Die Abläufe ähneln sich durchaus“, sagt Düber mit Blick auf den Bundestag. „Allerdings hat man auf kommunaler Ebene viel mehr Gestaltungskraft.“ Bis zu ihrem Wechsel nach Berlin als direkt gewählte CSU-Abgeordnete des Wahlkreises Würzburg arbeitete sie in der Rathausspitze als Sozialreferentin. 


„Wenn es sein muss, stehe ich eben vorne. Bin konfliktfähig.“
Hülya Düber (CSU)

Angefangen hatte Düber als Rechtsrätin und Leiterin des Fachbereich Baurechts, nach ihrem zweiten juristischen Examen sowie der Promotion und wurde mit der Leitung der Allgemeinen Bürgerdienste betraut. Sitzungen hatte sie also zur Genüge geleitet, unter anderem den Sozialausschuss des Bayerischen Städtetages. 

„Wir mussten auch schnell ins Arbeiten kommen“, erinnert sie sich an den Start in der Hauptstadt. Und da sie eine ist, die oft in der Verantwortung stand, immer Lösungen zu präsentieren hatte, für Probleme verschiedenster Art, legte sie los. „Wenn es sein muss, stehe ich eben vorne. Bin konfliktfähig.“ 

Mit dieser Art fiel sie den Christsozialen in der Stadt auf. Trat 2018 zuerst als parteilose Kandidatin für die CSU bei der Wahl zum Bezirkstag an, trat später der Partei bei. Ihre Herkunft hört man sofort, sie rollt das R unverkennbar fränkisch vorn am harten Gaumen.

Für Düber muss Schwarz-Rot jetzt liefern

Düber, 47, weitet die Arme, als sie mit Blick auf die Prozesse im Bundestag sagt: „Es dauert länger.“ Aber die Verantwortung auf Seiten der Regierungsfraktionen sei greifbar, dass nun geliefert werden müsse. „Die extremen Kräfte wachsen immer weiter. Die Menschen müssen spüren, dass es für sie besser wird, dass der wirtschaftliche Aufschwung kommt.“ Und dass man sicher und frei leben könne, fügt sie hinzu. 

„Dieser Auftrag schweißt zusammen, ich spüre das auch bei den Kollegen von der SPD.“ Wenn dann Meinungsunterschiede auftauchten, sei das völlig normal. "Jeder Konflikt in einer Beziehung wird auch nicht gleich zum Rosenkrieg stilisiert." Sie finde, dass die Koalition Lösungen finde, "dass wir gut unterwegs sind“.


„Wir arbeiten daran, dass der Ausschuss stärker wahrgenommen wird. Auch die Ministerien wollen wir sensibilisieren.“
Hülya Düber (CSU)

Man merkt, dass Düber eher eine Kandidatin fürs Brückenbauen als für deren Abreißen ist. Vielleicht liegt es daran, dass sie Sozialpolitik nicht nur vom Schreibtisch aus kennt. Nach dem Abitur entschied sie sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr, arbeitete in der ambulanten Alten- und Krankenpflege in Wiesbaden. An die Menschen, die sie damals betreute, erinnert sie sich teils noch genau. „Diese Zeit prägte mich.“ 

Dennoch entschied sie sich nach dem Jahr gegen die soziale Arbeit. „Es berührte mich zu sehr, ich bangte darum, dass ich nicht die nötige professionelle Distanz aufbringen könne.“ Damals habe sie Leute auch nach den Dienstzeiten besucht. „Ich hatte Angst, dass ich eingehen würde wie eine Primel.“ Über Umwege aber ist die Juristin dann doch wieder im sozialen Bereich gelandet. Zwar ist immer eine Schreibtischlänge Abstand, aber sie ist schon eine, die rausgeht. 2015 in den Hallen mit anpackte, als die Geflüchteten kamen, oder in den Pflegeeinrichtungen während der Corona-Pandemie. „Die Qualität der Arbeit wird besser, wenn man vor Ort ist.“

Das Hinterherhinken bei der Digitalisierung hat sie erstaunt

Irgendwie auch folgerichtig, dass sie nun im Bundestag nicht nur im Ausschuss für Arbeit und Soziales und im Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sitzt, sondern auch Schriftführerin ist; nicht zu vergessen die Leitung des Petitionsausschusses, die, ernst genommen, schon ausfüllend genug wäre. 

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Die Tage in Berlin werden für Düber lang. Im Petitionsausschuss rücken die Abgeordneten eh enger zusammen, schimmern die Fraktionsgrenzen weniger streng. Der Ausschuss ist ein Seismograf für die Stimmung im Land, die gewählten Volksvertreter setzen sich mit persönlichen Eingaben auseinander. Näher geht es kaum. „Wir arbeiten daran, dass der Ausschuss stärker wahrgenommen wird“, sagt sie. „Auch die Ministerien wollen wir sensibilisieren.“

Nur hat sie vor ihrem Einzug gedacht, dass die Uhren im Bundesbetrieb ein wenig schneller ticken. Bei der Digitalisierung zum Beispiel habe sie etwa angenommen, dass der Bundestag da weiter sei. „Man hat ja die Vorstellung, dass hier alles optimal geregelt ist.“ Aber da sei noch immer jede Menge Papier. 

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