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Parlamentarisches Profil : Die Unermüdliche: Deborah Düring

Der Krieg im Iran zeige einmal mehr, wie falsch der Kurs der Bundesregierung zurück zu fossilen Energien sei, findet die Außenpolitikerin der Grünen.

06.03.2026
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3 Min

Ihr Büro erinnert sie an das Dorf, in dem sie aufwuchs. "Ich mag das Holz", sagt Deborah Düring zum Bau aus Massivholzmodulen unweit des Reichstagsgebäudes. "Ich mag den Geruch des Waldes." Und so fangen für die 31-jährige Grünen-Abgeordnete aus Frankfurt am Main, groß geworden im oberbayerischen Wolnzach, die Tage ihrer Parlamentswoche stets gut an. Sie kann es gebrauchen. Denn die außenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion hat in diesen Tagen mit vielen Krisen zu tun - aktuell die Militärschläge der USA und Israels gegen das iranische Regime und dessen Reaktionen darauf. "Die Situation vor Ort ist auf vielen Ebenen katastrophal", sagt sie, “für die iranische Zivilgesellschaft an sich, dann der Krieg und schließlich der Flächenbrand in der ganzen Region, der sich dadurch abzeichnet.”

Foto: Ivo Hofsté

Deborah Düring sitzt seit 2021 für die Grünen im Bundestag. In dieser Wahlperiode ist sie Obfrau im Auswärtigen Ausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss.

Etwas, bei dem sie morgens, vorm Aufstehen, für einen kurzen Moment gern die Decke über den Kopf zieht, so viel ist das alles gerade. "Aber es gibt andererseits so viele Leute auf der Welt, die für ihre elementaren Rechte kämpfen, zum Beispiel iranische Frauen oder Ukrainerinnen und Ukrainer, die trotz allem den Winter überstanden haben." Dann sei ihr Mandat eine Verantwortung, weiter für sie zu streiten, im Rahmen des Möglichen.

Düring will Betätigungsverbot für Irans Revolutionsgarden in Deutschland

Es ist Mittag. Ihr Büro ziert ein grünes Sofa, dazu ein grüner Sessel, Bilder fehlen noch weitgehend. Düring fehlt aber noch ganz anderes: "Die Bundesregierung kann schon mehr tun, als sie gerade macht", sagt sie mit Blick auf den Konflikt. "Man könnte mit dem US-Präsidenten über eine Verlängerung des UNIFIL-Mandats im Libanon verhandeln. Oder daran arbeiten, wie man die iranische Zivilgesellschaft unterstützt, etwa mit VPN-Zugängen und besserer internationaler Vernetzung. Oder die Revolutionsgarden in Deutschland mit einem Betätigungsverbot belegen." Gerade die Anschlagsgefahr hierzulande würde steigen.


„Der Kurs zurück zu fossilen Energien ist auch aus geopolitischen Gründen der schlechteste.“
Deborah Düring (Bündnis 90/Die Grünen)

Über die Performance der Exekutive verliert die Oppositionspolitikerin kein gutes Wort. "Ich bin überrascht, dass der Außenminister überrascht ist." Die militärische Eskalation habe sich angedeutet. Und dann die Energiepolitik: "Der Kurs der Wirtschaftsministerin zurück zu fossilen Energien ist auch aus geopolitischen Gründen der schlechteste." Grundsätzlich findet Düring, dass an Werten, die sich die Weltgemeinschaft erarbeitet hat, festzuhalten sei. "Das Völkerrecht in Frage zu stellen, ist falsch. Wir wissen genau, wie eine Welt ohne internationales Recht aussieht." Ja, auch sie sehne einen "Regime Change" im Iran herbei, "aber das geht nicht ausschließlich mit Bomben, sondern muss von innen kommen". Beim jetzt eingeschlagenen Weg der USA und Israels sei sie skeptisch, ob er dazu führe.

In der bayerischen Heimat fühlte sie sich als Rebellin

Düring kam früh in politische Verantwortung. Im bayerischen Dorf wuchs sie "gefühlt als Rebellin" auf, die Schulpausen angefüllt mit Diskussionen mit CSU-Fans; ihr Elternhaus sei zwar politisch interessiert gewesen, "es lag immer eine Tageszeitung auf dem Tisch", aber die Eltern seien nicht links gewesen.

Und, wählen sie nun die Grünen? Düring lacht. "Vielleicht mittlerweile." Irgendwann war sie in der Schule Jahrgangsstufensprecherin, zog nach dem Abitur nach Frankfurt am Main für ein Studium der Friedens- und Konfliktforschung. Bis 2021 war sie Sprecherin der Grünen Jugend in Hessen und zog dann als Vertreterin der Jugend in den Bundestag ein.

In Dürings erster Legislatur sprach sie zu Entwicklungspolitik und wurde dann in ihrer zweiten als Nachfolgerin von Jürgen Trittin außenpolitische Sprecherin; sie ist Obfrau im Auswärtigen Ausschuss und sitzt im Finanzausschuss.

In diesen Tagen muss Düring für ihre Fraktion einen Kurs zum Konflikt in Iran finden. "Menschenrechte und Völkerrecht gehören zusammen", sagt sie. Es klingt beschwörend. Und was ist mit US-Flugzeugen, die in Deutschland stationiert sind - was, wenn sie eingesetzt werden? "Diese Frage möchte ich noch nicht beantworten." Eine diplomatische Antwort, während um die inhaltliche noch gerungen wird.

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