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Neue Strategie für die Rechenzentren : Digitalminister Wildberger will mehr Rechenpower

Die Bundesregierung plant, die Kapazität von Rechenzentren bis 2030 mindestens zu verdoppeln. Den Grünen fehlt dafür eine Bedarfsanalyse, der AfD die Kernenergie.

17.04.2026
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3 Min

An ehrgeizigen Zielen mangelt es Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) nicht. "Wir wollen die Rechenzentrenkapazitäten bis 2030 mindestens verdoppeln und die Rechenleistung für Künstliche Intelligenz vervierfachen", sagte der Minister am Donnerstag bei der Vorstellung seiner Rechenzentrumsstrategie. Rechenleistung sei der neue Rohstoff. "Und Rechenzentren sind die neuen Raffinerien", sagte Wildberger. Daten, Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) würden darüber entscheiden, "ob wir wachsen, ob wir innovativ bleiben und ob wir unseren Wohlstand halten".

Die Unterstützung der Koalitionsfraktionen hat Wildberger für sein Vorhaben. Die Strategie setze an vielen richtigen Stellen an, lobte Johannes Schätzl (SPD). Für Marvin Schulz (CDU) kommt sie "genau zum richtigen Zeitpunkt".

Foto: picture alliance/ZB/euroluftbild.de/Robert Grahn

Sie sind das Rückgrat der digitalen Welt: Ohne Rechenzentren wie dieses im brandenburgischen Mittenwalde gäbe es weder Internet noch Cloud-Dienste oder verlässliche digitale Kommunikation.

Bei der Opposition hingegen herrscht Skepsis. Aus unterschiedlichen Gründen freilich. Wo denn der grundlastfähige Strom für die energieintensiven Rechenzentren herkommen solle, fragte Robin Jünger (AfD). Rebecca Lenhard (Grüne) und Sonja Lemke (Linke) zogen in Zweifel, ob es denn überhaupt den Bedarf für einen solchen Ausbau gibt. Eine entsprechende Bedarfsanalyse gebe es nicht, sagte Lenhard. Lemke sieht in den Rechenzentren mit Blick auf den Stromverbrauch "den letzten Strohhalm der fossilen Industrie".

Das Thema Energie und Nachhaltigkeit ist in der Strategie als eines von drei Handlungsfeldern ausgewiesen. "Rechenzentren brauchen verlässlichen, bezahlbaren und möglichst klimafreundlichen Strom", sagte der Digitalminister dazu. Zudem setze man auf höchste Energieeffizienz. Schon heute würden in Deutschland die energieeffizientesten Rechenzentren der Welt betrieben, sagte er.

AfD bringt Kernkraft für Rechenzentren ins Spiel

Den AfD-Abgeordneten Jünger überzeugte das nicht. Rechenzentren seien "kritische Dauerlasten", sagte er. Wer sie politisch an ein System aus bilanziellen Nachweisen, knappen Netzanschlüssen und subventionierten Strompreisen binde, baue keinen digitalen Hochleistungsstandort, sondern eine politische Schönwetterstrategie. Gebraucht werde gesicherte Bandlast - also Energie, "die auch dann erzeugt wird, wenn es draußen kalt, dunkel und windstill ist". Genau deshalb sei die Kernenergie systemisch näher an den Anforderungen eines Rechenzentrums "als ein auf dem Papier klimaneutral gerechneter Strommix", sagte Jünger.

Die Rechenzentrumsstrategie auf einen Blick

💡Die Strategie umfasst 28 Maßnahmen in drei Handlungsfeldern: Energie und Nachhaltigkeit, Standort und Fläche sowie Technologie und Souveränität.

📈Die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland sollen bis 2030 mindestens verdoppelt werden. Kapazitäten für High-Performance-Computing und Künstliche Intelligenz sollen mindestens vervierfacht werden.

🏢Zudem sollen etwa Planung und Genehmigungen neuer Rechenzentren deutlich vereinfacht werden.



Ihre Anfrage an die Bundesregierung habe ergeben, dass es gar keine Bedarfsanalyse gegeben habe, sagte die Grünen-Abgeordnete Lenhard. "Dieser Strategie fehlt das Fundament einer belastbaren Bedarfsplanung, einer differenzierten Bedarfsanalyse. Dabei wäre genau das entscheidend", befand sie. Nun bestehe das Risiko, am tatsächlichen Bedarf vorbeizuplanen, und damit das Risiko von Fehlinvestitionen.

Warnung vor gigantischem Stromverbrauch durch Rechenzentren

Lemke attestierte Rechenzentren einen "wirklich gigantischen Stromverbrauch". In Städten, in denen bereits große Rechenzentren existierten, wie Berlin oder Frankfurt, gebe es jetzt schon keine Netzanschlüsse mehr, sagte die Linken-Abgeordnete. "Nicht für Rechenzentren und vor allem nicht für richtiges Gewerbe." Rechenzentren seien nicht nachhaltig. Sie steckten den Planeten weiter in Brand. "Das können wir nicht zulassen", sagte sie.

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Sozialdemokrat Schätzl forderte dazu auf, eigene KI-Anwendungsfelder zu definieren, da man den weltweiten Wettbewerb nicht nur über Masse gewinnen könne. Hierbei habe Europa einen entscheidenden Vorteil, so Schätzl. Im Maschinenbau, in der Automobilindustrie und der chemischen Industrie gelte: "Wir haben die Industriedaten, die die Künstliche Intelligenz braucht." Darauf müsse man in Zukunft setzen, forderte Schätzl.

CDU-Mann Schulz sagte: Wenn man mehr Rechenzentren in Deutschland habe, sei mehr Leistung vorhanden. Je mehr Leistung vorhanden sei, desto besser könne man KI einsetzen. Je mehr KI in Deutschland zur Anwendung komme, "desto stärker, schneller und gesünder ist unser Land", befand er.

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