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Parlamentarisches Profil : Aus der Klimabewegung: Lisa Schubert

Lisa Schubert (Linke) fordert ein Energiekrisengeld in Höhe von 150 Euro für alle und befürwortet eine Übergewinnsteuer: "Ölkonzerne bereichern sich an der Krise".

24.04.2026
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3 Min

Das Erste, was bei einem Gespräch mit Lisa Schubert auffällt, ist, dass sie sehr aufmerksam zuhört. Ruhigen Tones sagt Schubert, 23, für Die Linke aus Düsseldorf im Bundestag, dann Sätze, die rational und aufwühlend zugleich wirken. Zum Tankrabatt sagt sie am Hörer: "Ja, sowas unterstützt zwar die Leute, aber wir müssen alle Menschen in den Blick nehmen, die von der Krise betroffen sind.

Es ist 11 Uhr, in einer dieser Wochen, in denen die Weltgemeinschaft auf den Nahen und Mittleren Osten schaut - ob der Krieg der USA und Israels gegen das iranische Regime eskaliert und als eine Folge von vielen auch hier an den Zapfsäulen die Preise weiter steigen.

Foto: Jennifer Marke

Lisa Schubert sitzt seit 2025 für die Linksfraktion im Bundestag und ist Mitglied im Finanzausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

"Ölkonzerne bereichern sich an der Krise", konstatiert Schubert. Ein schärferes Kartellrecht, wie von der Koalition auch geplant, hält Schubert zwar für einen Schritt in die richtige Richtung, "aber das wird nicht ausreichen". Was Schubert mit der Linken-Fraktion stattdessen fordert: Den Preis fürs Deutschlandticket auf neun Euro abzusenken und die direkte Auszahlung eines Energiekrisengeldes in Höhe von 150 Euro für alle in Deutschland, "das sollte auch nicht auf die Sozialleistungen angerechnet werden". 

Und eine Übergewinnsteuer müsse her, doch für deren Aussichten zeigt sich Schubert skeptisch. Zwar sind die Grünen dafür, und auch die SPD gibt sich offen, "sie zieht sich aber über EU-Ebene aus der Verantwortung". Grundsätzlich findet Schubert, "die Sozialdemokraten haben zu viele ihrer Grundwerte abgebaut".

Mitten im Semester plötzlich in den Plenarsaal

Der Einzug in den Bundestag kam 2025 für Schubert etwas hopplahopp. Zwar hatte sie kandidiert, war nicht reingekommen, rückte dann aber für den Abgeordneten Uwe Follong nach, der sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen niederlegte. Dabei war Schubert noch mitten im Studium der Sozialwissenschaften, welches sie unbedingt abschließen will. Etwas viel auf einmal: "Ich erlebe schon Abstriche, aber so ist das nun mal". 

Wichtig für Schubert ist, der jungen Generation eine Stimme zu verleihen, sie nennt Militarisierung, Klima und Bildung als Themen, die sie umtreiben. Das Jobben im Studium war für sie noch vor kurzem Alltag: Kellnern im Stadion, biologische Mückenbekämpfung und nochmal diverse Gastrojobs. “Manche müssen in Teilzeit arbeiten, um sich dann ein Studium zu finanzieren, dem sie dann kaum richtig nachkommen können.”


„Mir ist soziale Gerechtigkeit am wichtigsten, und die verorte ich am stärksten bei der Linken.“
Lisa Schubert (Die Linke)

Die politische Biografie ist nicht kurz. Als Kind habe sie schon nicht verstanden, wie Menschen gegenüber anderen verachtend sein können. Erfuhr, welche Häuser im pfälzischen Wohnort zu meiden waren, weil dort Nazis wohnten. Engagierte sich für Menschen, die mit Obdachlosigkeit leben, für Geflüchtete. Und ging an die Öffentlichkeit als nichtbinäre Person. Der Bundestag vermerkt Schubert als ersten offen nichtbinären Mandatsträger in seiner Geschichte.

Schubert will maximal zwei Legislaturen im Bundestag sein

Schubert sagt, schon vorher sei klar gewesen, dass der Bundestag nicht alle Bevölkerungsgruppen abbilde. "Aber diese Erkenntnis hat sich seit meinem Einzug noch verschärft: Es wird über Leute gesprochen, die gar nicht anwesend sein können. Das betrifft auch Alleinerziehende, Leute mit Migrationsgeschichte und mit Behinderungen." 

Schubert selbst habe beim Umgang mit dem Nichtbinären gerade mit dem Bundestagspersonal gute Erfahrungen gemacht, "das ist sehr respektvoll". Wöchentlich gebe es zwar aus verschiedensten Ecken Fragen, "aber es ist halt für mich auch eine Aufgabe, diese Perspektive mitzugeben". Ja, auch unter der Gürtellinie sei manches, "über die Sprüche von Seiten der AfD-Fraktion rede ich erst gar nicht".

In der Schulzeit folgte ein Engagement für die Klimabewegung "Fridays for Future" - und die Entscheidung für eine Partei: "Mir ist soziale Gerechtigkeit am wichtigsten, und die verorte ich am stärksten bei der Linken." Maximal zwei Legislaturen wolle Schubert im Bundestag sein, “das würde allen Politikern gut tun - dieser Job verändert einen, das merke ich schon jetzt an mir. Ich will nicht, dass ich irgendwann denke, etwas Besseres zu sein.”

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