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Foto: picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod
Der CDU-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Manuel Hagel (M.), möchte Winfried Kretschmann (Grüne) als Ministerpräsident beerben.

Wahljahr mit Sprengkraft : Diese fünf Landtagswahlen stehen in 2026 an

In 2026 wählen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Warum das Wahljahr weit über die Länder hinaus wirken könnte.

07.01.2026
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4 Min

Im Jahr 2026 stehen fünf Landtagswahlen an, die mehr als nur regionale Stimmungstests sein dürften. Der AfD werden bei allen Wahlen starke Zuwächse vorausgesagt. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sahen Umfragen die Partei zuletzt bei 38 bis 40 Prozent. Die Wahlberechtigten in den fünf Bundesländern bestimmen damit auch darüber, wie stark die politische Statik ins Rutschen gerät, ob die demokratische Mitte noch Mehrheiten bilden kann oder ob sich Allparteienkoalitionen oder Minderheitsregierungen ausbreiten, wie man sie bereits in Sachsen oder Thüringen kennt und sie - vorerst - Anfang der Woche in Brandenburg politische Realität wurde.

Während die im Bundestag vertretenen Oppositionsparteien AfD und Linke deutlichen Rückenwind spüren, geht es für das BSW und die bei der letzten Bundestagswahl aus dem Parlament geflogene FDP bei den Wahlen um das Überleben – oder den langsamen Abgang von der politischen Bühne.

Welche Bundesländer wählen 2026?

Den Auftakt im Wahljahr macht Baden-Württemberg am 8. März gefolgt von Rheinland-Pfalz, wo die Wahlberechtigten am 22. März ein neues Landesparlament wählen. 

Sachsen-Anhalt wählt am 6. September. Zwei Wochen später, am 20. September, schließen die Parlamentswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern das Wahljahr 2026 ab.

Kretschmann tritt nicht mehr an: Baden-Württemberg wählt am 8. März

Die rund 7,7 Millionen Wahlberechtigten in Baden-Württemberg  stimmen am 8. März über die Zusammensetzung des Landtags in Stuttgart ab, der eine Mindestgröße von 120 Abgeordnete hat. Dabei entscheiden sie indirekt, wer der nächste Ministerpräsident des Bundeslandes wird. Amtsinhaber Winfried Kretschmann (Grüne), Deutschlands erster und bislang einziger grüner Ministerpräsident, tritt nach drei Amtszeiten nicht mehr an. 

Foto: Landtag von Baden-Württemberg

Bei der Landtagswahl am 8. März kommt erstmals das neue Wahlrecht zum Tragen. Experten erwarten, dass der Landtag in Baden-Württemberg dadurch größer wird als bisher.

Chancen, ihn als Ministerpräsident des drittbevölkerungsreichsten Bundeslandes zu beerben, rechnen sich der CDU-Landes- und Fraktionschef Manuel Hagel und Grünen-Spitzenkandidat und Ex-Bundesminister Cem Özdemir aus. Seit fast zehn Jahren regieren Union und Grüne gemeinsam den Südwesten. Den Umfragen zufolge liegt die Union deutlich vor den Grünen und der AfD um Spitzenkandidaten und Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier, mit der alle größeren Parteien eine Koalition ausgeschlossen haben. Die Linke könnte erstmals in den Stuttgarter Landtag einziehen.

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Bei der Landtagswahl am 8. März greift erstmals ein neues Wahlrecht, nach dem die Wahlberechtigten – wie bei der Bundestagswahl auch - zwei Stimmen haben: eine für den Direktkandidaten im Wahlkreis und eine für die Landesliste einer Partei. Neu ist außerdem, dass erstmals Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren wählen dürfen. Das Statistische Landesamt schätzt die Zahl der Erstwahlberechtigten auf rund 650.000, davon sind etwa 180.000 unter 18 Jahren alt.

Neues Bündnis für Rheinland-Pfalz? Landtagswahl am 22. März

Zwei Wochen später wählen die rund drei Millionen Wahlberechtigten in Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag. Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) möchte Ministerpräsident des Landes bleiben, das seit 35 Jahren SPD-regiert ist. Schweitzer kam im Laufe der Legislaturperiode ins Amt, als er Malu Dreyer (SPD) ablöste, und regiert derzeit mit einer Ampelkoalition aus Grünen und FDP. 

Foto: Landtag RLP / T. Silz

Am 22. März findet in Rheinland-Pfalz die Wahl zum 19. Landtag statt. In dem Bundesland stellt die SPD seit 1991 den Regierungschef.

In Umfragen erreicht die Koalition jedoch keine Mehrheit mehr. Ob die FDP erneut in den Landtag einzieht, ist ungewiss. Zudem liegt Schweitzers SPD in Umfragen hinter der rheinland-pfälzischen CDU, die mit Spitzenkandidat Gordon Schnieder ins Rennen geht. 

Bislang sind im Landtag in Mainz sechs Parteien vertreten: SPD, CDU, Grüne, AfD, FDP und Freie Wähler. Auch hier steht die Linke vor dem Sprung in den Landtag mit seinen 101 Sitzen.

Deutschland schaut auf Magdeburg: Wahl in Sachsen-Anhalt am 6. September

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der zuletzt eine „Deutschland-Koalition“ mit SPD und FDP anführte, hatte bereits Mitte 2025 angekündigt, nach 15 Jahren im Amt nicht erneut zu kandidieren. Seine Partei schickt an seiner statt am 6. September Wirtschaftsminister Sven Schulze als Spitzenkandidaten ins Rennen. In Umfragen vorn liegt mit 40 Prozent aktuell die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. Die im November 2023 vom Landesverfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestufte Partei strebt eine Alleinregierung an. Fast sicher scheint, dass die AfD in jedem Fall eine Sperrminorität erreichen wird.

Foto: ltlsa /Viktoria Kühne

Derzeit regiert in Sachsen-Anhalt eine Koalition aus CDU, SPD und FDP. Die anstehende Landtagswahl könnte jedoch eine Zäsur darstellen, denn in den Umfragen liegt die AfD deutlich vorn.

Die Linke zeigt sich den Umfragen zufolge stabil, während SPD und BSW um die Fünf-Prozent-Hürde kämpfen. Grünen und FDP könnte den Umfragen zufolge der Verlust ihrer Mandate drohen. Das dürfte Auswirkungen auf die Regierungsbildung haben, denn die Mitte-Parteien lehnen eine Koalition mit der AfD ab - und im Fall der CDU, Stichwort Unvereinbarkeitsbeschluss, ebenfalls eine Koalition mit der Linken. 

Der Landtag in Magdeburg hat aktuell 97 Sitze. Bei der letzten Wahl 2021 waren rund 1,8 Millionen Menschen wahlberechtigt.

AfD aktuell vorn, SPD hofft: Schweriner Landtag wird am 20. September neu gewählt

Foto: Landtag MV

Die Mehrheit der rot-roten Koalition unter Manuela Schwesig (SPD) könnte gefährdet sein: Laut Umfragen büßte die Koalition in den vergangenen Monaten an Zustimmung ein. Die AfD liegt aktuell deutlich vorn.

Auch dem zweiten ostdeutschen Bundesland, das 2026 wählt, dürfte eine schwierige Regierungsbildung ins Haus stehen: Mecklenburg-Vorpommern. Am 20. September werden rund 1,3 Millionen Wahlberechtigte einen neuen Landtag wählen. Amtsinhaberin Manuela Schwesig (SPD), die seit 2017 Ministerpräsidentin ist und seit 2021 eine Koalition mit der Linkspartei führt, hofft auf ihren Amtsbonus. Stärkste Kraft ist den Umfragen zufolge aber auch hier die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm, Bundestagsabgeordneter und AfD-Landeschef.

Die aktuell 79 Mandate im Schweriner Landtag verteilen sich seit der letzten Wahl im September 2021 auf SPD, AfD, CDU, Linke und Grüne. 

Schon wieder an die Urnen: Berlin wählt im Herbst ein neues Abgeordnetenhaus

Weil es bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im Herbst 2021 zu Problemen mit fehlenden Stimmzetteln und langen Wartezeiten gekommen war, wurde die Wahl am 12. Februar 2023 wiederholt. Nun wählen die rund 2,4 Millionen Wahlberechtigten in Berlin am 20. September schon wieder ihre 159 Abgeordneten. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) führt aktuell eine schwarz-rote Koalition, die zuletzt allerdings an Zustimmung einbüßte. 

Foto: Peter Thieme

Auch in Berlin ist 2026 wieder ein Wahlkampf-Jahr: Laut Umfragen hat die schwarz-rote Koalition aktuell keine Mehrheit mehr.

In den derzeitigen Umfragen führt die Union, allerdings könnte auch in Berlin die Regierungsbildung spannend werden: Anders als in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern jedoch, weil Linke, Grüne, SPD und AfD den Umfragen zufolge relativ dicht beieinander liegen. Elif Eralp (Linke), Werner Graf (Grüne) und Steffen Krach (SPD) wollen Wegner im Roten Rathaus ablösen. 

Kommunalwahlen in Bayern, Hessen, Niedersachsen und Berlin

Neben Landtagswahlen stehen in diesem Jahr auch Kommunalwahlen an. In Bayern (8. März), Hessen (15. März) und Niedersachsen (13. September) werden unter anderem Kreistage sowie Stadt- und Gemeinderäte gewählt. Parallel zum Abgeordnetenhaus werden in Berlin auch die Bezirksverordnetenversammlungen gewählt. 

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