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Parlamentarisches Profil : Der Moderator: Leif-Erik Holm

Der ehemalige Radiomoderator will bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern Ministerpräsident werden. Im Bundestag beschäftigt sich Holm mit Wirtschaftspolitik.

20.03.2026
True 2026-03-20T16:43:01.3600Z
3 Min

Sein blütenweißes Hemd strahlt im Büro gegen die Abenddämmerung an, nur huscht ein Hauch Müdigkeit über Leif-Erik Holms Gesicht. Es ist 18 Uhr, der Tag war lang, und später geht es noch ins Plenum. Morgen, um 7:30 Uhr in der Früh, ist wieder Ausschuss. So sehen die Tage aus, wenn man wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion ist, während ein Krieg im Nahen Osten tobt und die Energiekosten hierzulande in die Höhe schnellen lässt. Er atmet kurz durch.

Foto: MdB Holm

Leif-Erik Holm sitzt seit 2017 für die AfD im Bundestag. In dieser Wahlperiode ist er Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie sowie stellvertretendes Mitglied im Verkehrsausschuss.

"Eine Abzocke kann man nicht ausschließen", sagt Holm mit Blick auf die gestiegenen Spritkosten an den Tankstellen. "Ich möchte aber nicht den Stab brechen, das soll das Kartellamt prüfen." Die Bundesregierung will noch vor Ostern ein Gesetz durch Bundestag und Bundesrat bringen, es geht unter anderem um eine Schärfung der Kompetenzen des Kartellamts. "Wir haben dafür durchaus Sympathien", sagt der AfD-Politiker. "Alle weiteren Details müssen noch besprochen werden."

Holm fordert angesichts der hohen Spritpreise eine Senkung der Benzinsteuer 

Holm, 55, direkt gewählter Abgeordneter aus Schwerin, sieht aber auch ansonsten den Bund in der Pflicht. "Der Staat sollte jetzt mit den Benzinsteuern runtergehen, er profitiert ja sogar gerade von den steigenden Kosten", empört er sich. Ein Nachtragshaushalt solle verabschiedet, die Bürger entlastet werden - und wo soll dann gestrichen werden? "Das möge die Bundesregierung entscheiden, aber davor drückt sie sich strukturell." Ihm würden Dinge einfallen: Da sei der geplante Ausbau des Kanzleramts, Entwicklungshilfe für Länder, die zum Mond fliegen, oder beim Bürgergeld. Dass aber die sich abzeichnende Energiekrise rund um fossile Brennstoffe einen stärker geförderten Ausbau der Elektromobilität nach sich ziehen sollte, das kommt Holm nicht über die Lippen. "Ich kann nicht den Verbrauch von bestimmten Gütern subventionieren, das wäre ungerecht." Er habe nichts gegen Elektroautos, nur sollten sie sich auf dem Markt bewähren.

Holm ist kein scharfer Redner. Er gibt sich gelassen und jovial. In einem früheren Leben war er Radiomoderator. Und er will in seinem Heimatbundesland Ministerpräsident werden, fordert im Wahlkreis Schwerin bei der Landtagswahl in diesem September die Regierungschefin Manuela Schwesig von der SPD heraus. Auf einem Landeslistenplatz steht er nicht. Und, würde er bei einem Sieg im Wahlkreis vom Bundestag in den Landtag wechseln? “Ja, natürlich.”


„Diese Energiekrise und die ideologische Energiepolitik werden gute Arbeitsplätze zerstören.“
Leif-Erik Holm (AfD)

In der Nähe Schwerins aufgewachsen, der Vater Elektrolehrmeister und die Mutter Kinderkrankenschwester, lebte Holm in einem politisch interessierten Haushalt. "Ich erinnere mich noch an die Tagesschau von damals", sagt er. Und die Aktuelle Kamera, die zentrale Nachrichtensendung der DDR? "Ach, die schaute doch niemand." 

Die Familie sei damals eher sozialdemokratisch orientiert gewesen, mit einer bürgerlichen Note. Helmut Schmidt habe ihm gefallen, sagt er. "Der wäre heute der AfD eigentlich ziemlich nah." Moment, würde sich der Altkanzler aus der SPD bei diesen Worten nicht im Grabe umdrehen? "Nein, zu Migration, Wirtschaft und Energie sagte er Ähnliches wie wir heute." Nun, 2015 sagte der Hamburger über die AfD: "Sie ist nicht lebensgefährlich, aber unerfreulich." Eine Freundschaftserklärung klingt anders.

Holm reiste als DJ durch das Land und leitete dann das Büro von Beatrix von Storch

Noch in der DDR begann Holm eine Elektrikerlehre, machte das Fachabitur und studierte an der Berliner Humboldt-Universität Volkswirtschaftslehre, schloss mit dem Master ab. In der Studentenzeit tingelte er als DJ übers Land und legte auf Feiern in Kulturhäusern auf. Er moderierte Sendungen für verschiedene Radiosender - und gehörte 2013 zur Gründergeneration der AfD, wurde Büroleiter der damaligen Europaabgeordneten Beatrix von Storch und Landesparteivorsitzender. 2016 dann der Einzug in den Landtag und ein Jahr später in den Bundestag.

Er steht auf. So viel passiert seit 2013. Aber er war immer da. Das Handy surrt. Die Wirtschaftsausschusssitzung muss noch vorbereitet werden. "Diese Energiekrise und die ideologische Energiepolitik werden gute Arbeitsplätze zerstören." Draußen wird es dunkel.

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