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Foto: DBT/ Janine Schmitz/ photothek
Nach Jahren des Schrumpfens hat die Bundeswehr personell wieder den Kurs Wachstum eingeschlagen.

Kurs Wachstum : Die Bundeswehr in Zahlen

Über 260.000 Menschen sichern die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr.Wie sich die Armee verändert hat, wo sie aktuell steht und welche Baustellen bleiben.

29.08.2025
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5 Min

Als Kind des Kalten Krieges begann sie unter strenger Aufsicht des Bundestages, misstrauisch beäugt von der eigenen Bevölkerung: Am 12. November feiert die Bundeswehr ihr 70-jähriges Bestehen. Das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ – Kern der Inneren Führung nach Wolf Graf von Baudissin – verankert die Streitkräfte im demokratischen Rechtsstaat und stellt das Primat der Politik sicher. Heute ist die Truppe deutlich kleiner als am Ende des Kalten Krieges, modernisiert sich seit der Zeitenwende und sucht nach dem Kriegsschock von 2022 einmal mehr ihren Platz in der Gesellschaft. Mit Milliarden im Verteidigungsetat und aus dem Sondervermögen Bundeswehr sollen Löcher gestopft werden bei Ausrüstung, Material und Personal.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wo die Bundeswehr steht und was sie leisten muss in Auslandsmissionen und für die Neuausrichtung auf die Landes- und Bündnisverteidigung:


So hat sich die Truppenstärke seit der Wiedervereinigung entwickelt

Fast eine halbe Millionen Soldatinnen und Soldaten umfasste die Bundeswehr kurz nach der Wiedervereinigung. Ein Wert, den sie in den nächsten 35 Jahren nicht mehr erreichen sollte, denn bereits ab 1992 nahm die Truppenstärke rapide und kontinuierlich ab. Anfang der 2000er Jahre lag sie noch bei 318.713 Personen.

Ein deutlicher Einschnitt erfolgte im Jahr 2011 mit dem Aussetzen der Wehrpflicht. Die Truppenstärke sank von 245.823 (2010) auf 206.091 (2011) und hat sich seitdem bei etwa 180.000 Soldatinnen und Soldaten eingependelt. Zu wenig, um auf die veränderte geopolitische Lage reagieren zu können und die geforderten Nato-Ziele zu erreichen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) plant daher unter anderem mit dem neuen Wehrdienstgesetz, die Truppenstärke langfristig um rund 80.000 Soldaten auf 260.000 zu erhöhen.


30 Prozent des Personals sind Zivilpersonal

Derzeit sichern über 263.000 Menschen – 182.984 in Uniform und 80.602 in Zivil –  die personelle Einsatzbereitschaft der Truppe. 


Und so verteilt sich das Personal der Bundeswehr

Der Großteil des militärischen Personals (106.632 Beschäftigte) gehören dem Heer, der Luftwaffe und der Marine an. Auch im sogenannten Unterstützungsbereich, zu dem unter anderem der Sanitätsdienst und die Logistik gehören, finden sich mit 46.962 Personen mehr als viermal so viel militärisches wie ziviles Personal (11.054). 

Das Zivilpersonal findet sich insbesondere in den Bereichen “Infrastruktur, Umweltschutz, Dienstleistungen” sowie “Ausrüstung, Informationstechnik, Nutzung”, im Personalbereich (zu dem auch die 5.400 Studierenden der Bundeswehr-Universitäten zählen) und dem Unterstützungsbereich.


Über 60 Prozent der Soldatinnen und Soldaten sind Zeitsoldaten

Nicht jeder Soldat oder jede Soldatin bindet sich für sein oder ihr gesamtes Berufsleben an das Militär. Neben den sogenannten Berufssoldaten (57.993 Beschäftigte), die den Kern der Streitkräfte bilden, gibt es auch Soldatinnen und Soldaten auf Zeit (113.657 Beschäftigte). Zeitsoldaten machen rund 62 Prozent der Streitkräfte aus und verpflichten sich für einen Zeitraum zwischen zwei und 25 Jahren. Nach dieser Zeit kehren sie in der Regel entweder in das zivile Berufsleben zurück oder starten eine dauerhafte Karriere bei der Bundeswehr. 

Wer als sogenannter Freiwilliger Wehrdienst Leistender (aktuell 11.334 Beschäftigte) zur Truppe geht, verpflichtet sich für mindestens sieben und maximal 23 Monate zum freiwilligen Wehrdienst - wer bleiben möchte, kann sich als Soldat auf Zeit länger verpflichten.  


Aus diesen Bundesländern kommen die meisten Rekruten

Im vergangenen Jahr begannen 20.250 neue Rekruten ihren Dienst bei der Bundeswehr - so viele wie zuletzt im Jahr 2019 (rund 20.200). Nach einem Einbruch im Jahr 2020 auf etwa 16.400 Rekruten ist die Zahl wieder gestiegen (2021: ca. 16.700 Personen, 2022: ca. 18.800 Personen und 2023: 18.740 Personen).

Pro 100.000 Einwohner kamen im Jahr 2024 die meisten Rekruten aus Mecklenburg-Vorpommern (38), gefolgt von Schleswig-Holstein (37) und Niedersachsen (34). Die wenigsten Rekruten konnte die Bundeswehr in Berlin (14) und Hamburg (16) gewinnen. 


Diese Entwicklung hat der Frauenanteil in der Armee genommen

Frauen konnten ab 1975 in den Sanitäts- und Militärmusikdienst eintreten. Vor 25 Jahren, im Winter 2000, stimmten Bundestag und Bundesrat für eine Änderung des Grundgesetzes sowie Änderungen des Soldatengesetzes, wonach Frauen künftig auch freiwilligen Dienst an der Waffe leisten können. Frauen stehen seit 2001 in der Bundeswehr alle Laufbahnen – auch in den Kampftruppen – offen. Das Grundgesetz untersagt nur noch die Verpflichtung von Frauen zum Waffendienst. 

Seit dieser Öffnung der Streitkräfte für Frauen steigt der Anteil der Soldatinnen in der Truppe: Waren im Jahr 1995 noch 0,77 Prozent der Soldaten weiblich, waren es zehn Jahre später bereits 4,53 Prozent. Im Jahr 2015 kletterte der Anteil der Soldatinnen bei der Bundeswehr weiter auf 10,74 Prozent und erreichte im vergangenen Jahr mit 13,62 Prozent den bisherigen Höchststand.


Frauen sind bislang vor allem im Unterstützungsbereich wie dem Sanitätsdienst vertreten

Obwohl seit 2001 alle Laufbahngruppe für Frauen zugänglich sind, zeigen sich bis heute in den verschiedenen Bereichen starke Unterschiede beim Frauenanteil. So sind knapp 47 Prozent aller Frauen bei der Bundeswehr im sogenannten Unterstützungsbereich tätig, zu dem unter anderem der Sanitätsdienst und die Logistik gehören. 

Der Anteil an Frauen im Heer liegt laut Wehrbericht 2024 hingegen bei ungefähr 7,7 Prozent, bei der Luftwaffe bei rund 10,2 Prozent und in der Marine bei etwa 11,4 Prozent. Um diese Anteile zu erhöhen, müsse die Bundeswehr zum einen die Frauen, die schon in verschiedenen Truppengattungen tätig sind, sichtbarer machen und stärker über Entwicklungsmöglichkeiten und Einsatzbereiche informieren, sagt Vize-Generalinspekteurin Nicole Schilling im Interview. Schilling ist derzeit die ranghöchste Soldatin der Bundeswehr.


Knapp 900 Soldatinnen und Soldaten sind im Ausland eingesetzt

Seit den 1990er-Jahren ist die Bundeswehr an militärischen Auslandseinsätzen mit Bündnispartnern aus den Vereinten Nationen (UN), der Nato oder der Europäischen Union beteiligt. Insgesamt werden aktuell etwa 900 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr auf drei Kontinenten eingesetzt.

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